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Wie entsteht Strom aus Wasserkraft?
Erneuerbar, lokal, fĂĽr uns alle.


Die Kraft des fliessenden oder verdampften Wassers erleichtert unser Leben enorm. In zwei Artikeln reisen Sie mit uns durch die Geschichte der Wasserkraftnutzung: Einerseits auf den Spuren der mechanischen Nutzung und hier, wie ewz in ZĂĽrich seit Ende des 19. Jahrhunderts mit Wasserkraft Strom produziert.
Geschrieben von: Christian Gerig  |  Wasserkraft  |  19.06.2026

Das Wasserkraftwerk – ein riesiger Dynamo?

Zur Stromerzeugung braucht es lediglich ein Stück Kupferdraht und ein paar Magnete. Das wusste sprichwörtlich jedes Kind, zumindest bis Velos plötzlich Batterielichter bekamen, denn ein Wasserkraftwerk funktioniert genau so wie der Dynamo. Im Prinzip.

Durch die Bewegung des Rades dreht sich ein im Dynamo enthaltener Permanentmagnet in einer feststehenden Induktionsspule. Dadurch wird ein Stromfluss erzeugt, der die Fahrradlampe zum Leuchten bringt.

Wasser bringt Schwung und Strom

Die Wasserkraft ist für die notwendige Rotation des beweglichen Teils des Stromgenerators entschieden besser geeignet als stramme Waden. Ein solcher Generator besteht aus einem Stator, welcher fest ist, und einem Rotor, der sich – angetrieben durch die Rotation einer Welle – dreht. Im Rotor eingebaut befindet sich eine Erregermaschine. Sie ist für den Aufbau eines magnetischen Feldes zuständig.

Dieses Magnetfeld wird durch einen Permanentmagneten erzeugt. Im Stator sind Wicklungen, auch Spulen genannt, nach bestimmten Mustern angeordnet. Dreht sich jetzt der Rotor mit den Magnetfeldern ĂĽber dieses Spulenpaket, wird eine Spannung induziert. Ein Strom entsteht.

Wie entsteht Strom aus Wasserkraft? ewz erklärt den komplexen Vorgang ganz einfach.
Wie wird aus Wasserkraft Strom?

Der guten Ordnung halber sei daran erinnert: Für die elektrische Energie gilt derselbe Grundsatz wie für alle Formen der Energie: Sie entsteht nicht, sie wird nicht erzeugt, sondern sie ist das Produkt einer Umwandlung. Elektrische Energie, umgangssprachlich Strom genannt, wird durch Umwandlung aus anderen Energieformen – im Falle eines Wasserkraftwerkes aus rein kinetischer Energie, also Bewegungsenergie oder einer Kombination von kinetischer mit potenzieller Energie – erzeugt.
Auf welche Art die Kraft von Wasser genutzt wird und in welcher Form das Wasser auf die Turbinen trifft, ist allerdings sehr unterschiedlich.

Laufwasserkraft und Speicherwasserkraft: markante Unterschiede

In der Schweiz mit seinen Bergen und FlĂĽssen eher verbreitet sind Laufwasser- und Speicherwasser-kraftwerke. Der markanteste wirtschaftliche Unterschied: Beim Laufwasserkraftwerk wird die zur VerfĂĽgung stehende Energie des Wassers kontinuierlich, beim Speicherkraftwerk, also einem Kraftwerk im Zusammenhang mit einem Staudamm, nur dann zur Stromerzeugung genutzt, wenn der Bedarf da ist. Oder wenn der Strom zu guten Konditionen verkauft werden kann.

Wenn’s läuft, dann läufts

Das heisst: Analog zu den Schöpfwasserrädern der Antike entspricht die Nutzung der Laufwasserkraftwerke dem unterschlächtigen Schöpfrad (siehe Artikel zur mechanischen Wasserkraftnutzung). Die Menge und die Fliessgeschwindigkeit des Antriebswassers passt sich dem Lauf des Flusses an und kann nicht beeinflusst werden.

Flexible Nutzung aus dem Speicher

Beim Speicherwasserkraftwerk hingegen kann – analog zu den oberschlächtigen Schöpfrädern – Menge, Geschwindigkeit und Zeitfenster der Nutzung des Wassers, das von oben auf die Radschaufeln stürzt, gesteuert werden. Und auch hier wird neben der kinetischen «Bewegungs»-Energie zusätzlich die potenzielle («Lage»-)Energie zur Rotation der Generatoren eingesetzt.

Wasserfall statt Flut und Ebbe

Der Vollständigkeitshalber seien auch die Gezeitenkraftwerke erwähnt. Sie nutzen die Fliessbewegung von Wasser, die durch den Gezeitenwechsel, die «Tiden» entsteht. Ihre Wirkungsweise ist abhängig vom Tidenhub, der beispielsweise in der Flussmündung bis zu 15 Meter betragen kann. Durch eine Sperrung des Mündungstrichters mittels eines Dammes gegen das offene Meer hin wird das grosse Gefälle zwischen Flut und Ebbe für ein Wasserkraftwerk genutzt. Nachteil: Die tägliche Betriebsdauer ist wegen der kurzen Zeiten des Gezeitenwechsels auf weniger als eine Stunde beschränkt.

Blick auf einen Stausee
FrĂĽher wie heute ist die Dammkrone des ewz-Staudamms Marmorera ein beliebter Halt (um 1956)
Foto aus dem Maschinenhaus des ewz-Kraftwerks Solis bei Sils i.D. von 1955.
Männer auf einer Plattform mitten im See. Auf der Plattform befindet sich eine grosse Kabelrolle.
Eine der Lastenseilbahnen, die fĂĽr den Bau der ewz-Staumauer Albigna erstellt wurden. Sie wurden nach dem Bauabschluss zurĂĽckgebaut.
Strommasten in Berglandschaft
Hochspannungsleitung ĂĽber den Septimerpass

Erste Speicherwasserkraftwerke fĂĽr ZĂĽrich

Speicherwasserkraftwerke spielen für die Stromversorgung der Stadt Zürich seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Im Wägital, vor allem aber im Bergell, im Albula- und im Landwassertal wurden Talsperren für Stauseen als Wasserreservoire errichtet.

Einige Staumauern in den Bergen entstanden aus Bauwerken, die ursprĂĽnglich nicht die Nutzung von Wasserkraft, sondern im Gegenteil dem Schutz gegen die Wasserenergie dienten. So ist die Staumauer auf der Albigna oberhalb Vicosopranos im Bergell auf einem kleineren Wehr aufgebaut, das im Nachgang zu den katastrophalen Hochwassern im Bergell im September des Jahres 1927 errichtet worden war.

Die Kooperation zwischen ZĂĽrich und GraubĂĽnden: Bis heute unterschiedliche Empfindungen

Die Geschichte der Entstehung dieser Wasser- und Stromkooperation zwischen Zürich und Graubünden ist – je nach Perspektive diverser schriftlicher und mündlicher historischer und heutiger Quellen – die Geschichte einer fruchtbaren Zusammenarbeit einer eher dünn besiedelten, wasserreichen alpinen Landschaft und einer bevölkerungsreichen, energiegefrässigen Stadt oder aber die Geschichte einer ruchlosen Ausbeutung einer strukturschwachen Bergregion durch ausbeuterische Unterländer*innen.

Über die Hälfte des Schweizer Stroms kommt aus der Wasserkraftnutzung

Sicher ist: Die Möglichkeit, Wasserenergie zur Deckung des steigenden Stromverbrauchs zu nutzen, war fĂĽr die wirtschaftliche Entwicklung von Städten wie ZĂĽrich existenziell. Und sie ist es noch immer: Gemäss den Zahlen des Bundesamts fĂĽr Energie (BFE) erzeugten 2025 die Schweizer Wasserkraftwerke rund 55% des produzierten Stroms; insgesamt stammten noch gut 27% aus Kernkraftwerken und etwas mehr als 17% aus thermischer und erneuerbarer Stromproduktion. Die inländische Stromproduktion lag 2025 bei rund 67,7 Terrawattstunden (TWh), davon entfielen 37,5 TWh auf Wasserkraft.

Ein Mann, der mit einer Gurte an einer Leiter befestigt ist, prĂĽft etwas an einer Stromleitung.
Schwindelfrei und wagemutig: Freileitungsmonteur auf einem Strommasten
Schwarzweiss-Bild der Stadt ZĂĽrich bei Nacht

Die Pumpstation – das erste Laufwasserkraftwerk in Zürich

Obschon bei der Stromproduktion durch Wasserkraft die Speicherwasserwerke sowohl anteilmässig – sie liefern knapp 31% gegenüber gut 24% durch die Laufwasserkraftwerke – als auch wirtschaftlich eine dominierende Rolle spielen, war die erste Stromlieferantin der Stadt Zürich ein Laufwasserkraftwerk. 1878 als Wasserwerk in Betrieb genommen, pumpte die Pumpstation Brauchwasser in die verschiedenen Reservoirs der Stadt Zürich. Es lieferte ab den 1890er-Jahren Elektrizität.

Ohne die BĂĽndner*innen zu wenig Strom

Dem wachsenden Bedarf an Strom genügte dieses Lettenwerk aber bald nicht mehr: Bereits 1904 wurde das Laufwasserkraftwerk Beznau in Betrieb genommen. Eine halbe Dekade später begann mit dem Albula-Kraftwerk in Sils im Domleschg die bis heute erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Stromproduzenten im Albulatal und im Bergell.

Bereits 1910 war die Stadt Zürich vom Strom aus Graubünden abhängig: Während Letten mit knapp 5% und Beznau mit rund 13% an der Stromversorgung beteiligt waren, flossen fast 85% der Elektrizität aus dem Albulatal nach Zürich. Mit dem Bau der Speicherwasserkraftwerke Albigna im Bergell und Marmorera im Oberhalbstein in den 1950er-Jahren sicherte sich die Stadt Zürich bis heute eine umweltgerechte Versorgung mit elektrischem Strom. Im Beitrag zum Schweizer Stromnetz, zeigen wir, wie der Strom vom Marmorera Stausee bis nach Zürich gelangt. [Mehr zur ewz-Stromproduktion aus erneuerbaren Energien.]

Ăśbrigens:
Als nachhaltigster Energieversorger der Schweiz sind wir von ewz stolz auf unsere Wasserkraftwerke – zwölf Anlagen in GraubĂĽnden und drei an der Limmat produzieren den Löwenanteil unserer erneuerbaren Energie. 

Nachhaltigkeit nach bestmöglichen Grundsätzen

Trotz unbestrittener Nachhaltigkeit und Umweltschonung ist auch die Wasserkraftnutzung – wie auch die Windenergie und Solarenergie – mit Vorhaltungen aus Naturschutzkreisen konfrontiert. Stauseen, Windräder und Solarparks verändern die Landschaft, sie beeinflussen die natürlich gewachsenen Lebensräume von Mensch, Flora und Fauna. Allerdings: Fortschritt hat seinen Preis, bei der Nutzung erneuerbarer gegenüber fossiler und atomarer Energiequellen ist dieser immer noch kleiner.

Weitere Nutzung des Wassers: thermisch mittels Seewasserverbund

Dem Wasser kann aber nicht nur kinetische oder potenzielle Energie entzogen werden, sondern auch thermische. Konkret: Dem Seewasser wird in einer Energiezentrale die Wärme entzogen und in Form von Heizwärme abgegeben. Das nur minimal abgekühlte Wasser fliesst in den See zurück. Im Sommer geht der Kreis umgekehrt: Aus der Tiefe des Sees wird kühles Wasser in eine Kältezentrale geliefert und von Kältemaschinen zur Kühlung von Räumlichkeiten genutzt. Anschliessend fliesst das Wasser in den See zurück.

Lesen Sie dazu auch unserer Reportage «Seewasserverbund ZĂĽrich: Seethermie fĂĽr nachhaltige Wärmeversorgung» sowie die Kolumne von Christof Drexel «Der Seewasserverbund – eine Art Saisonspeicher«.

Dieser Beitrag erschien ursprĂĽnglich im Juli 2021

Warum ewz und die Stadt ZĂĽrich konsequent auf erneuerbare Energien setzen und wie wichtig die Stromproduktion aus einheimischer Wasserkraft ist, erfahren Sie auf unserer Website.

In der ewz-Chronik finden Sie zudem die Meilensteine der StadtzĂĽrcher Elektrifizierung ab 1890 sowie viele Bildimpressionen aus dieser Zeit im ZĂĽrcher Stadtarchiv.

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