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Graue Emissionen in allen Dingen unseres Alltags

Kolumne von christof drexel, 2.6.2020
Portrait Christof Drexel

Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichbarkeit.

«Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar», sagte der kleine Prinz. Auch wenn er damit weder Energie noch Emissionen meinte – es trifft auch hier zu.

Man sieht es der Jeans nicht an: Wie viel Energie verwendet wurde, um den mineralischen Dünger für die Baumwollplantage zu produzieren. Wo der Dünger herkommt und wo die Baumwolle angebaut wurde, wo das Garn gesponnen und wo es gefärbt wurde, wo der Stoff gewoben und wo er genäht wurde.

Viele, sehr viele Kilometer werden es, bis das veredelte Produkt beim Grosshandel und später beim Einzelhandel ankommt. Mit jedem Transportkilometer kommen Emissionen dazu, jeder Produktionsschritt benötigt Energie: Das Produktionsgebäude musste errichtet, die Maschinen hergestellt werden – alles zusammen benötigt permanent Wärme und elektrischen Strom.

In Relation zu dieser grauen Energie und den grauen Emissionen ist es im Fall der Jeans ziemlich irrelevant, ob sie bei 30 oder 40 °C gewaschen wird. Insbesondere dann, wenn sie nur eine Saison getragen wird.

Graue Emissionen stecken in mehr oder weniger allen Dingen unseres Alltags

Meistens sind mit der Herstellung eines Produkts mehr Emissionen verbunden als mit der Benutzung. Wer heute ein (massives) Einfamilienhaus mit gutem Energiestandard errichtet, verursacht dabei mehr CO2-Emissionen als bei der Beheizung des Gebäudes im Lauf seiner gesamten Lebensdauer [Quelle].

Nur bei Energiefressern wie dem Flugzeug oder dem Auto fällt der Betrieb dann doch mehr ins Gewicht: Während die Herstell-Emission eines PKW bei zehn Jahren Lebensdauer etwa eine Tonne CO2 pro Jahr ausmacht, verursacht eine Fahrleistung von 12’000 Kilometer pro Jahr rund drei Tonnen CO2.

Übrigens liegt in der grauen Energie der Grund, warum erneuerbare Energien nicht zum Nulltarif zu haben sind: Auch Wasserkraftwerke, Photovoltaikmodule und Windkraftanlagen müssen errichtet werden. Auf den Energieertrag umgelegt ist die Emission jedoch um 90 bis 99% geringer als beim derzeitigen europäischen Strommix [Quellen: Statista, Studie der Agora Energiewende].

Interessant: Die Menge an Treibhausgasen, die innerhalb der Schweizer Grenzen emittiert wurde, nahm im Lauf der letzten Jahrzehnte stetig ab. Die grauen Emissionen, also der Rucksack der importierten Güter und Nahrungsmittel, nahm hingegen stetig zu. [Quelle: Studie BAFU]

Die eigene Ökobilanz bzw. der ökologische Fussabdruck wird nicht kleiner, wir verlagern unsere Emissionen nur vermehrt ins Ausland – höchste Zeit, diesem Grau mehr Beachtung zu schenken.

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4 Tipps, um graue Energie zu vermeiden

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