Portrait Christof Drexel

Grösster CO2-Effekt? Hier bringen erneuerbare Energien am meisten

Kolumne von christof drexel, 23.06.2022
Letzten Endes werden wir nur noch erneuerbare Energien nutzen: für die Mobilität (Personen und Güter), für die Gebäudewärme, für die Industrie, und natürlich ganz allgemein in der Energieversorgung. Auf dem Weg dorthin ist eine Reihe von Umstellungen und Veränderungen erforderlich.

In den meisten Fällen geht Dekarbonisierung mit Elektrifizierung einher – wie etwa beim E-Auto und der Wärmepumpe. Für bestimmte Anwendungen brauchen wir Wasserstoff, der wiederum mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt wurde; etwa für die Stahlproduktion oder in der chemischen Grundstoffindustrie.

Der Ausbau der Erneuerbaren geht rasant voran, kann aber dennoch nur nach und nach erfolgen. Deshalb interessiert auch, mit welchem CO2-Effekt die jeweilige Anwendung verbunden ist: Die richtige Reihenfolge führt zum gesamthaft grössten Effekt.

Grösster Effekt: Elektromobilität

Ganz oben auf der Liste steht die Elektromobilität: Bei einem mittleren Verbrauch von 17,5 kWh/100 km kommt man mit einer Kilowattstunde aus Erneuerbaren 5,7 Kilometer weit. Ein Diesel mit einem Verbrauch von 6 Litern/100 km emittiert auf dieser Strecke ca. 1’150 g CO2 (vorgelagerte Emissionen mitgerechnet) – diese 1’150 g haben wir mit einer kWh aus Erneuerbaren ersetzt.

Enormer CO2-Ersatz möglich dank Wärmepumpen

Wärmepumpen spielen auch in dieser Liga mit: Der CO2-Effekt hängt von der Effizienz ab – eine Systemjahresarbeitszahl von 3,5 (für eine Standard-Luft-Wärmepumpe) führt bei der Substitution von Erdgas zu 950 g CO2/kWh; gute erdreichgekoppelte Wärmepumpen punkten bei einer Jahresarbeitszahl von 4,5 sogar mit 1’200 g CO2/kWh.

Strom aus erneuerbaren Quellen statt Kohlewerken

Diese Anwendungen bringen somit sogar noch etwas mehr, als mit den Erneuerbaren die «schmutzigsten» deutschen Kraftwerke (Kohle) zu ersetzen – die verursachen rund 1’000 g CO2/kWh.

Wasserstoff aus erneuerbaren Energien

Eine der wichtigsten Anwendungen von grünem Wasserstoff ist die Stahlproduktion; hier liegt der Effekt bei ca. 560 g CO2/kWh [Datenquelle]. Das ist noch besser als die Substitution von Strom aus Gas-und-Dampf-Kraftwerken (ca. 400 g CO2/kWh); andere Wasserstoffanwendungen können aber weniger punkten: Gütermobilität – ca. 250; Substitution von konventionell hergestelltem («grauem») Wasserstoff durch grünen – 220; Substitution von Erdgas (etwa für Hochtemperaturprozesswärme) – ca. 140 g CO2/kWh.

Fazit: Der grösste CO2-Effekt entsteht durch die Förderung von Elektromobilität und Wärmepumpenheizungen.

Wie gesagt – am Ende werden wir alle Prozesse dekarbonisieren müssen. Die Wasserstoff-Anwendungen müssen wir teilweise erst entwickeln und erproben, das ist wichtig. In der breiten Umsetzung sind aber E-Mobilität und Wärmepumpen mit der grössten Intensität voranzutreiben – sie versprechen auch den grössten Effekt!

powernewz in Ihrer Mailbox

Artikel teilen

weitere Artikel

Illustration mit Blick aus einem Fenster, aus dem man eine Stadt sieht mit rot glühendem Himmel.

17.06.2022

Folgen des Klimawandels für Städte
Klimawandel
Porträt von Christof Drexel

24.05.2022

CO2-Emissionen machen vor Grenzen nicht halt
Kolumne
Luftaufnahme des revitalisierten Flussabschnittes bei Bever.

09.05.2022

Wie das Engadiner Dorf Bever seine Auenlandschaft wieder aufbaut
Erneuerbare Energien
Eine Parkbank am Ufer eines Sees, die wegen Hochwasser im Wasser steht, daneben Bäume, im Hintergrund Berge.

29.04.2022

Wo liegt der richtige CO2-Preis?
Berichte
Illustration eines geöffneten Buchs, zwischen dessen Seiten Menschen eintreten oder herausschauen.

22.04.2022

«Klimaneutrale» E-Fuels im Faktencheck
Kolumne
Pumpenplannform beim einwassern beim Werkplatz Hafen Tiefenbrunnen

08.04.2022

Seewasserverbund Zürich: Innovation zur nachhaltigen Wärmeversorgung
Erneuerbare Energien
Aussenansicht der gesamten Anlage

29.03.2022

CO2 aus der Luft saugen: Der Kohlendioxid-Staubsauger von Climeworks
Innovation

18.03.2022

Nachhaltig Bauen: Ressourcen­schonend ist noch nicht klimaneutral
Kolumne
Kommentare

 verbleibende Anzahl Zeichen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht publiziert.