Co2 vermeiden? Ja.
Und wie helfen da «CO2-Vermeidungskosten»?

Kolumne von christof drexel, 27.04.2021
Porträt von Christof Drexel

Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichbarkeit. Mehr zu seiner Person im Portrait.

Die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat im letzten Herbst eine interessante Studie veröffentlicht. Es wurden verschiedene technische Massnahmen untersucht, die einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten. Für diese Massnahmen wurden dann jeweils Effekte und Kosten für das Jahr 2030 ermittelt.

Ein Beispiel für bescheidene CO2-Vermeidungskosten

Zum Beispiel wurde die teilweise Substitution von Erdgas für industrielle Anwendungen durch Biomethan untersucht. Da das nachhaltig verfügbare Potenzial von Biomethan nicht allzu gross ist, beträgt die Reduktion der CO2-Emission bescheidene 440’000 Tonnen, was etwa einem Prozent der inländischen Emissionen entspricht. Biomethan ist auch deutlich teurer als Erdgas; die Vermeidung der Emission kostet das Industrieunternehmen in diesem Fall CHF 726 pro Tonne vermiedene Emission.

Grosser Impact: enorme Reduktion von Treibhausgasen durch E-Mobilität

Andere Massnahmen zeichnen aber ganz andere Bilder: Würden zum Beispiel ab sofort nur noch elektrisch betriebene Batteriefahrzeuge neu zugelassen – so wurde errechnet –, sänken die CO2-Emissionen in der Schweiz 2030 um 5,8 Millionen Tonnen – das sind 12% der gesamten inländischen Emissionen. Die Elektromobilität punktet vor allem mit sehr niedrigen Betriebskosten, weshalb die Massnahme trotz höherem Anschaffungspreis insgesamt zu einer Einsparung für die Privatperson führt. Pro Tonne eingespartem CO2 – so wurde errechnet – zahlt der/die Autofahrer/-in rund CHF 180 weniger. In diesem Fall spricht man von negativen CO2-Vermeidungskosten.

Massnahmen-Kombi könnte 25% der Schweizer CO2-Emissionen reduzieren

Die Studie liefert die sehr interessante Erkenntnis, dass eine ganze Reihe von Massnahmen negative Vermeidungskosten aufweist – unter anderem der Einsatz von Wärmepumpen, die Elektrifizierung des Güterverkehrs und Photovoltaikanlagen. Alleine mit diesen wirtschaftlichen Selbstläufern ist es bereits möglich, die CO2-Emission in der Schweiz bis 2030 um ein Viertel zu reduzieren. Andere Massnahmen kosten zwischen 0 und 200 CHF pro Tonne, sodass eine entsprechende CO2-Abgabe ebenfalls eine wirtschaftliche Umsetzung erlaubt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich diese wirtschaftliche Analyse immer wieder verändert, weil etwa der technische Fortschritt zu Kostenreduktionen führt. Die Strategie, jetzt jene Massnahmen zu ergreifen, die bereits wirtschaftlich sind, kann deswegen durchaus zielführend sein. Der Ersatz von Erdgas für industrielle Prozesswärme kann 2030 vielleicht schon wirtschaftlich(er) durch grünen Wasserstoff erfolgen.

Mittels Suffizienz im grossen Massstab denken

Was übrigens auch behandelt wurde, sind Suffizienz-Strategien – etwa die Halbierung der internationalen Flugreisen oder die Reduktion der Lebensmittelverschwendung. Weil diese aber in der Regel nichts kosten, wurde nur der Effekt betrachtet: Mit den technischen Massnahmen zusammen würde damit im Jahr 2030 schon eine Reduktion von über 50% erreicht. Das wär’ doch schon mal die halbe Miete …

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Was sind CO2-Vermeidungskosten?

CO2-Vermeidungskosten beschreiben den Betrag, der für die Reduktion einer bestimmten CO2-Menge gegenüber einer Referenztechnologie anfällt. Sie bezeichnen also die effektiven Kosten einer Klimaschutzmassnahme pro Tonne vermiedener CO2-Emissionen.

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