Graue Energie: Erklärung und 4 Tipps zur Reduktion

Graue Energie steckt in jedem einzelnen Produkt und macht einen Grossteil der CO2-Emissionen aus. Die Materialien, Herstellung und Lieferung verursacht graue Energie. -Doch was ist graue Energie genau und wie kann man sie sparen?
tipps von powernewz, 22.01.2021

Vom Apfel über die Jeans bis zum Auto – all diese Dinge haben etwas gemeinsam: Sie verbrauchen graue Energie. Und die schlägt in Sachen Treibhausgas-Emissionen eines Produkts ganz schön zu Buche.

Was ist graue Energie?

Graue Energie, auch als Primärenergie bekannt, definiert die gesamte Energie, die für ein Produkt benötigt wird. Angefangen bei der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Herstellung, dem Transport, der Lagerung, Verpackung und Entsorgung. (Siehe auch Kolumne «Graue Energie, graue Emissionen»)

All diese Etappen eines Gegenstands, Lebensmittels oder auch Gebäudes sind letztendlich für dessen gesamten Energieaufwand verantwortlich. Je nach Produkt fällt dieser Energieverbrauch sehr unterschiedlich aus.

Kurz gesagt: Graue Energie ist die indirekte Energie, die hinter einem Produkt steckt – und zwar ohne den direkten Energieverbrauch, der bei dessen Nutzung entsteht. Die Reduzierung ist ein wichtiges Thema auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft. Denn während die Treibhausgase, die in der Schweiz verursacht wurden, in den letzten Jahren zurückgingen, stiegen die grauen Emissionen importierter Güter an. Das zeigt eine Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU).

Die Berechnung grauer Energie ist sehr schwierig

Die genaue Berechnung grauer Energie ist sehr schwierig, da die Prozessketten von der Produktion eines Materials über dessen Verarbeitung bis zum Recycling sehr komplex sind.

Um die Auswirkungen grauer Emissionen auf Umwelt und Klima deutlich zu machen, wird die Energie in sogenannte CO2-Äquivalente umgerechnet.

Es gibt einige gängige Alltagsbeispiele, anhand derer man sich besser vorstellen kann, wie viel graue Energie verschiedene Produkte verbrauchen:

  • Ein Kilo Schokolade benötigt beispielsweise 2,5 Kilowattstunden (kWh) vom Anbau der Kakaobohne bis zur fertigen Tafel Schoggi.
  • Für zwei Aluminiumdosen rechnet man mit 10 kWh grauer Energie. Dieser Verbrauch entspricht dem durchschnittlichen Tagesbedarf an Strom eines Vier-Personen-Haushalts.
  • Im Vergleich zu Schoggi und Aludosen ist die Energiebilanz eines Autos extrem hoch. Ganze 30’000 kWh braucht ein PKW – das entspricht dem Energieverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts in 10 Jahren. Und hier ist das CO2 durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, das beim Autofahren anfällt, noch nicht berücksichtigt.

Graue Energie verursacht CO2

Je mehr graue Energie sich hinter einem Produkt verbirgt, umso grösser ist die Umweltbelastung. Denn die Energie verursacht Treibhausgase wie CO2.

Selbst wenn ein Produkt mit erneuerbaren Energien hergestellt wird, entsteht graue Energie. Schliesslich entstehen auch bei der Herstellung von Solaranlagen oder Windparks Emissionen.

4 Tipps, um das Entstehen von grauer Energie zu reduzieren

Auch wenn die graue Energie hinter einem Produkt für Verbraucher/-innen schwer einschätzbar ist, können Sie im Alltag ganz einfach graue Energie einsparen mit den nachfolgenden Tipps:

1. Gegenstände gebraucht kaufen

Auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft spielt der Konsum als einer der vier Pfeiler eine wichtige Rolle. Wie und was man konsumiert, beeinflusst den eigenen ökologischen Fussabdruck.

Besonders nachhaltig ist es, wenn Sie Mode, Möbel und Multimediageräte gebraucht kaufen und somit deren Lebensdauer verlängern. Geräte wie Smartphones, Laptops und Computer brauchen im Schnitt deutlich mehr graue Energie, als deren Betrieb Strom verbraucht. Deshalb sollten sie so lang wie möglich genutzt werden.

Nahaufnahme eines Baumwollstrauchs.

2. Lebensmittel aus der Region

Genau wie andere Konsumgüter verbrauchen auch Lebensmittel graue Energie. Aber auch hier gibt es einige Tipps, um möglichst nachhaltig einzukaufen:

Kaufen Sie regional angebaute Lebensmittel ein. Diese haben kurze Transportwege und schon deshalb eine bessere Ökobilanz als etwa tropische Früchte. Zudem lohnt es sich, auf saisonale Lebensmittel wie Obst und Gemüse zu setzen, da es nicht energieaufwendig gekühlt und gelagert werden muss.

Konsumieren Sie Fleisch sehr bewusst. Die benötigte Energie für Aufzucht und Haltung von Tieren ist etwa drei Mal so hoch wie bei einem vegetarischen Gericht. [Quelle]

Ausserdem ist es wichtig, auf Bio-Qualität zu achten. Beim biologischen Anbau von Lebensmitteln oder Materialien wie Baumwolle und Holz kommen keine Pestizide zum Einsatz. Ausserdem wird weniger Dünger verwendet, was den direkten Energiebedarf für dessen Herstellung senkt und gleichzeitig den Boden schont.

Tipp: Kaufen Sie, wenn immer möglich, unverpackte Lebensmittel. Dann fällt die Energie für die Rohstoffgewinnung und die Herstellung sowie das Recycling der Verpackung weg.

Verschwendete Lebensmittel sind besonders schade – sie haben zwar keine schlechtere Ökobilanz als verzehrte, vergrössern aber unseren ökologischen Fussabdruck. Vermeiden Sie Food Waste, indem Sie nur mit Einkaufszettel einkaufen gehen und erst das aufbrauchen, was schon im Kühlschrank liegt. Das gelingt am besten, wenn Sie frische Produkte im Kühlschrank immer nach hinten und bereits angebrochene nach vorne stellen.

Für Interessierte hier auch weitere Artikel zum Thema Kreislaufwirtschaft.

Verschiedenes Gemüse, das schön arrangiert auf einem dunklen Holztisch liegt.

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3. Solarenergie nutzen für Zuhause

Vom Strom bis zu einzelnen Haushaltsgeräten gibt es zu Hause viele Bereiche, in denen Sie graue Energie einsparen können.

So lohnt es sich etwa, eine Solaranlage auf dem eigenen Dach anzubringen oder sich an einer zu beteiligen. Auch die verbraucht zwar graue Energie, doch bereits nach zwei Jahren hat die Anlage sie dank der durch Sonnenlicht gewonnenen elektrischen Energie amortisiert. Bei thermischen Sonnenkollektoren dauert das sogar nur weniger als ein Jahr.

TIPP: Für den Haushalt gibt es übrigens einfache Energiespartipps zu beachten, die schon viel Energie und auch Geld sparen.

Bei Haushaltsgeräten gilt grundsätzlich: neu vor alt. Es kann sich durchaus lohnen, eine alte Waschmaschine oder einen alten Kühlschrank durch ein neues Gerät mit der Energiesparklasse A+++ zu ersetzen. Denn alte Geräte brauchen im Betrieb oft mehr Strom, als für die Herstellung und den Transport von neuen, energiesparenden Geräten verbraucht wird.

Männliche Hände, die ein Solarpannel halten und darauf eine Schraube fixieren.

4. Ausleihen statt kaufen

Viel graue Energie sparen Sie, wenn Sie sich Dinge aus der näheren Region ausleihen, anstatt sie neu zu kaufen. In der Schweiz gibt es zahlreiche Sharing-Plattformen, auf denen man sich vom Akkubohrer über Kleidung bis zum Auto alles ausleihen kann. Das spart Ressourcen – Abholen je nach Gegenstand vielleicht sogar zu Fuss, mit dem Velo oder ÖV?

TIPP: Bei Chimpy können Sie Smartphone-Powerbanks ausleihen, um den Akku Ihres Handys mit 100% Solarstrom (der kommt übrigens von ewz) aufzuladen. Danach einfach z.B. an einem Kiosk retournieren, fertig.

Grundsätzlich gilt: Wenn wir kurze Wege zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen, verursachen wir keine CO2-Emissionen, und aufgrund des wegfallenden Treibstoffs sparen wir überdies viel graue Energie. Und die frische Luft tut der Seele gut.

Ein Mann mittleren Alters fährt auf seinem Fahrrad durch ein Wohnquartier.
Haushaltsgerät reparieren oder neu kaufen?

Ob sich – je nach Alter des Gerätes – eine Reparatur oder ein Neukauf lohnen könnte, hat Energie Schweiz in dieser Broschüre zusammengestellt.

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