Strombedarf
aus erneuerbaren Energien:
Wieviel sind 100%?

Kolumne von christof drexel, 18.05.2021
Porträt von Christof Drexel

Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichbarkeit. Mehr zu seiner Person im Portrait.

In Deutschland werden schon 50% der benötigten elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen – vor allem Wind und Photovoltaik – produziert [Quelle]. In Österreich und der Schweiz sind es dank unserer alpinen Lage noch mehr.

Das Ziel des Anteils erneuerbarer Energien kann im Rahmen der Klimaneutralitätsstrategien nur 100% lauten. Allerdings wäre es ein Fehler, dabei vom heutigen Verbrauch auszugehen.

Wo steigt der Strombedarf?

Der Bedarf an elektrischer Energie wird zunehmen. Mit Effizienz- und Suffizienzstrategien können wir die erforderlichen Mengen limitieren; die fortlaufende Sektorkopplung sorgt aber in einigen Bereichen für zusätzliche Anwendungen: So wird die Dekarbonisierung unserer Mobilität nur mit elektrischer Energie gelingen – am besten direkt genutzt (und nicht über Umwege wie Wasserstoff oder eFuels).

Für rund ein Drittel der benötigten Prozesswärme genügen Temperaturen unter 100 °C – dafür kommen effiziente Grosswärmepumpen zum Einsatz, die mit elektrischer Energie angetrieben werden.

Weitere industrielle Prozesse werden in Zukunft mit Hilfe von (elektrisch produziertem) Wasserstoff klimaneutral gestaltet, etwa die Stahlproduktion, die chemische Grundstoffindustrie oder auch Hochtemperatur-Prozesswärme in verschiedenen Industriezweigen.

Die Elektrifizierung der Raumwärme verursacht (hoffentlich) den geringsten zusätzlichen Bedarf: Zum einen kann hier noch ein beträchtlicher Teil an direkt-elektrischer Wärme durch effiziente Wärmepumpen substituiert werden, zum anderen führen Gebäudesanierungsstrategien zu einem relevant verringerten Bedarf, der dann über Wärmepumpen gedeckt wird.

Wie sehen Szenarien aus?

Wie stark nun der Strombedarf aus erneuerbaren Energien tatsächlich ansteigen wird, dazu liegen schon viele, zum Teil durchaus unterschiedliche Szenarien vor. Für Deutschland hat etwa die Agora Energiewende im Rahmen der Studie «Klimaneutrales Deutschland 2050» einen Anstieg von aktuell 595 Terawattstunden (TWh) auf 962 TWh prognostiziert – also ein Plus von über 60%.

Der Zubau betrifft – je nach regionalen Gegebenheiten – alle Quellen, möglichst ausgewogen, was die saisonale Charakteristik betrifft: Die sommerlastige Photovoltaik muss durch eine noch grössere Menge an winterlastiger Windkraft ergänzt werden; bei der Wasserkraft sollten – wo ökologisch verträglich – auch Speicherkraftwerke eine Rolle spielen.

Ein «Zuviel» wird es bei den Erneuerbaren noch lange nicht geben. Ohne den massiven Ausbau ist die Klimaneutralität nicht zu schaffen und die globale Erwärmung nicht zu stoppen.

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Kommentare

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Bisherige Kommentare (1)
Rudolf Hammer sagt:

„Klimaneutral“ ist eine rein menschliche Abstraktion wie das „Klima“ ebenso. Rein wissenschaftlich ist „Klima“ eine multivariate Statistik. Und CO2 kommt da so wie so nicht vor. Ein thermodynamisches System kann auch nie nur von einer Zustandsgröße abhängen. Daher gibt es schon alleine deswegen keine „Klimaneutralität“ durch CO2-„Einsparung“. Genau so wenig gibt es „Erneuerbare“ Energie. Überhaupt ist die Sonne ein nicht erneuerbarer Energieträger (Kernfusionsreaktor). Wind auch nicht, der weht überall, ist eine Erscheinung von Druckunterschieden in der Atmosphäre. Und Volatilstrom eignet sich nicht für eine ausreichende Stromversorgung rund um die Uhr. Aber sicher ist: Windräder sind hochwirksame Klimamaschinen und verändern Wind, Wetter, Temperatur und Niederschläge.