Energieberater Andreas Poletti vor seinem Smart Home

Smart Home maximal: der Energieberater und sein Zuhause

Andreas Poletti ist gewissermassen der perfekte Energieberater: Sein Smart Home produziert dreimal mehr Strom, als das Haus inklusive Heizung und Wasseraufbereitung benötigt. Porträt eines Perfektionisten, der bis aufs letzte Kabel alles selbst installiert hat.

Als wir im Keller seines Hauses stehen und uns verwundert, aber auch bewundernd umsehen, sagt Andreas Poletti lächelnd: «Ich habe einen militärisch bedingten Ordnungsfimmel. Den habe ich von meinem Vater.» Poletti ist Energieberater beim Stadtzürcher Elektrizitätswerk, ewz, und für die Region Sils im Domleschg in Graubünden zuständig. Er berät Kunden in der Region bei Fragen zu Stromsparen und Energieeffizienz, Installation von PV-Anlagen und intelligenten Haustechnologien – sogenannten Smart Homes.

In einem solchen Smart Home stehen wir nun. Genauer, mitten in der Schaltzentrale von Polettis eigenem, perfekt durchorganisiertem Haus in einem ruhigen Quartier in Landquart. Ein Haus, wie es nur wenige in der Schweiz gibt: Alles, vom Licht und der Musik über die Heizung und Warmwasserproduktion bis hin zur Zugangskontrolle und Alarmanlage, wird mithilfe von Bewegungsmeldern, Netzwerk und cleverer Programmierung gesteuert.

Nur selten müssen Poletti oder seine Frau zum Tablet greifen, um eine Korrektur vorzunehmen. Ein Smart Home, das seinen Namen wirklich verdient, ist smart genug, dass es von seinen Bewohnern und Bewohnerinnen nicht ständiges Eingreifen erfordert.

Dafür zuständig ist das zentrale Herz im Keller. Unsere verwundert-bewundernden Blicke gelten jedoch nicht dem Computer, sondern den fein säuberlich organisierten Kabelkanälen: In ihnen verlaufen die Elektrokabel perfekt parallel zueinander angeordnet – kein einziges kreuzt das andere. Auf den beiden grossen Schalttafeln scheinen die unzähligen kurzen Patchkabel ebenfalls fast identisch ausgerichtet.

Ein Wunderwerk an Organisation und Übersicht. «Ich habe eineinhalb Tage lang Kabel geordnet», gibt Poletti lächelnd zu. Als er einen Schrank öffnet, fällt unser Blick auf ein Dutzend ebenfalls säuberlich ausgerichteter Batterien. «Sie dienen als Speicher für den Strom der PV-Anlage», erklärt er. Kurz: Poletti ist ein absoluter Perfektionist.

Energieberater Andreas Poletti vor der Schaltzentrale seines Smart Home.
«Diese Batterien dienen als Speicher für den Strom der PV-Anlage», erklärt ewz-Energieberater Andreas Poletti.
Energieberater Andreas Poletti vor der Schaltzentrale seines Smart Home.
Energieberater Andreas Poletti vor dem Eingang zum Keller des Hauses.
Energieberater Andreas Poletti bedient die Touch-Kontrolle in der Arbeitsfläche seiner Küche.
Eine Hand, die die Touch-Kontrolle in der Arbeitsfläche der Küche bedient.
Auch in die Arbeitsfläche der Küche ist eine Touch-Kontrolle eingelassen.

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Energieberater aus Berufung

«Seit ich ein kleiner Bub war, wollte ich Elektromonteur werden», sagt der heute 35-Jährige. Der Nachbar führte ein Elektrogeschäft, das habe ihn fasziniert. Von seinem Vater, einem Feinmechaniker und Berufsmilitär, erbte er den Sinn für Ordnung und Perfektion. Die Mutter, eine Papeteristin, gab ihm die Fähigkeit mit, den Menschen zuzuhören. Diese Eigenschaft sei entscheidend für seinen Job als Energieberater, sagt Poletti.

Seit 2019 steht er in Sils im Domleschg im Einsatz für ewz. Als Energieberater gelange man bis in die innersten Privatbereiche eines Hauses, sagt er. Das erfordert Feingefühl. «Ich rede zum Beispiel nie schlecht über das, was die Leute bei sich zu Hause installiert haben», sagt er.

Dass er versteht, wovon er spricht, beweist er mit seinem eigenen Haus. «Mit unserer Photovoltaikanlage produzieren wir das Dreifache der Energie, die das Haus verbraucht», sagt er. Das 1991 gebaute Haus konnten sie 2018 von den Grosseltern der Ehefrau kaufen. Es sei schon damals mit einer Photovoltaikanlage bestückt gewesen, welche Poletti bei der Renovation jedoch auswechselte.

Die alte Solaranlage sei heute in einem abgelegenen Militärbunker im Einsatz. Poletti: «Was noch funktioniert, muss nicht entsorgt werden.» Auf allen verfügbaren Flächen auf dem Dach sind mittlerweile Solarpanels installiert. «Mehr geht nicht», meint er lakonisch.

Mit dem Stromertrag lädt er ein Elektroauto, betreibt die im Hausinnern installierte Luft-Wasser-Wärmepumpe und deckt den Strombedarf des gesamten Hauses. Überschüssige Energie speichert er im selbstgebauten Batteriespeicher mit über 800 Kilogramm Bleibatterien, die einst in einem Rechenzentrum ihren Dienst taten. Sie machen das Einfamilienhaus zu achtzig Prozent unabhängig vom Stromnetz.

«Wir rissen das Innere des Hauses heraus und installierten alles von Grund auf neu», sagt Poletti mit leuchtenden Augen, als er uns durchs Haus führt. «Mit einem einzigen Klick kann ich das Haus in den Nachtmodus versetzen», sagt er. In allen Räumen befinden sich unauffällig montierte Bewegungsmelder, Sensoren und Multifunktionsschalter. Sogar in die Arbeitsfläche der Küche ist eine Touch-Kontrolle eingelassen. «Mein Sohn musste erst lernen, in anderen Häusern einen Schalter zu drücken, um das Licht einzuschalten», sagt Poletti schmunzelnd.

Ein Schlüssel zum Elektroauto an der Ladestation
Energieberater Andreas Poletti tätigt eine Eingabe auf dem Tablett, mit dem sich sein Smart Home steuern lässt.
Alles im Haus lässt sich zentral steuern: Die Justierung von Licht, Heizung oder Sonnenstoren ist nur ein Klick entfernt.

Tägliche Weiterbildung

Ein Smart Home dieses Standards konnte sich seine Familie indessen nur leisten, weil er alle Installationen selber ausführte. Zusammen mit einem Kollegen schrieb er ein 50-seitiges Elektroschema – ein knappes Jahr baute er um, plante, verlegte Kabel. Seine Frau sei den Plänen zunächst skeptisch gegenübergestanden. «Heute möchte sie den Komfort nicht mehr missen», sagt er schmunzelnd und ergänzt: «Egal wie komplex die Installation ist, am Ende sollten auch Laien das Haus bedienen können.»

Sein erworbenes Wissen bringt Poletti in die Energieberatung mit ein. Dabei zählt nicht nur die Berufserfahrung: Nach seiner Lehre als Elektromonteur liess er sich zum Projektleiter für PV-Anlagen ausbilden und war oft auf Dächern und Baustellen anzutreffen.

Zusätzlich tauchte er in die Welt der Stromspeicherung und intelligenten Haustechniken ein. «Ich informiere mich täglich über die neusten Entwicklungen – ich verfolge alles, was geht», sagt er. Um die Leute kompetent beraten zu können, müsse er die Vor- und Nachteile aller Komponenten kennen. Trotzdem könne er nicht alle Kundenwünsche erfüllen.

Poletti erinnert sich an eine Beratung, bei der ein Kunde sein eigenes Kleinwasserkraftwerk installieren wollte – was an diesem Ort leider nicht möglich war. Nicht alle Kundinnen und Kunden liessen sich zudem von erneuerbaren Energien überzeugen. Er versuche aber, sie mit Argumenten dafür zu gewinnen. Poletti: «Das Umdenken muss am Ende jedoch bei ihnen selbst passieren.»

Energieberater Andreas Poletti sitzt am Tisch im Wintergarten und zeigt auf dem Tablett, wie sich sein Smart Home steuern lässt.

Wir sitzen mittlerweile auf der Terrasse, rund um uns fein säuberlich geschnittener Rasen. Mithilfe seines Tablets hat Poletti die Sonnenstore ausgefahren. Ob er das Tablet jederzeit mit sich trage? «Nein!», kommt prompt die Antwort.

Er will die aktuelle Stromproduktion zeigen. «Wir speisen gerade 21’000 Watt zurück ins Netz», sagt er sichtlich zufrieden. Seine Stromrechnung betrage Null. «In rund sieben Jahren werde ich die Installation durch den Eigenverbrauch und die Einspeisevergütung amortisiert haben.» Die Zukunft sieht Poletti im kommunalen Strommarkt, auf dem Nachbarn den Strom direkt untereinander verkaufen.

Ebenso fasziniert ist er von den bidirektionalen Elektroautos, vor allem weil sie sich zum Zwischenspeichern von Hausstrom nutzen lassen. «Das sind riesige Stromspeicher, die in der Zukunft auf den Markt kommen», sagt er. Mit Sicherheit wird der Energieberater sein Heim auch um diese Möglichkeit erweitern – selbstverständlich in perfekter Ausführung.

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Kommentare

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Bisherige Kommentare (2)
Poletti sagt:

Sehr geehrte Damen und Herren
Der Bericht über meinen Sohn Andreas als EWZ-Mitarbeiter bzw. Energiebater entspricht dem, was er ist und sein will. Ein Perfektionist mit Weitblick und Verstand und hohen Zielen!
Ich bin mächtig Stolz auf meinen Sohn Andreas und das was er leistet!
Freundliche Grüsse
H. Poletti

powernewz-Team sagt:

Grüezi Herr Poletti
Ihre Nachricht freut uns sehr! Und wir sind auch stolz, Andreas in der ewz-Familie zu haben. Die Zusammenarbeit für diesen Artikel hat super geklappt und es ist immer wieder schön, Mitarbeitende näher kennen lernen und vorstellen zu dürfen. Alles Gute und beste Grüsse, Esther Peter, powernewz-Redaktion