Mit einer Energieberatung Strom und Geld sparen.
Geht das überall?

Illustration eines Menschen in Unterwäsche mit einer Glühbirne als Kopf
Die ewz Energieberatung feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Sie entstand in den Nachwehen einer europaweiten Katastrophe, forderte die Denkweise von Energiedienstleistern heraus und brachte die Energieberater auch mal an ziemlich zwielichtige Orte.

Dass sich im Darkroom eines Sexclubs nicht viel Strom sparen lässt, versteht sich von selbst: Wo es dunkel ist, gibt es keine Lichter zu löschen. Überraschender hingegen ist, wie es einen ewz-Energieberater an einen solchen Ort der Gelüste verschlug und wieso er nach seinem Besuch nur noch in Unterwäsche bekleidet im Büro anzutreffen war.

Werfen wir unseren Blick zuerst aber auf eine Katastrophe weitreichenderen Ausmasses: die Kernreaktorschmelze von Tschernobyl. Der atomare Supergau in der Ukraine hatte 1986 Europa inklusive der Schweiz wachgerüttelt. Eine radioaktive Wolke zog in den Tagen nach der Katastrophe quer über Europa, streifte das Tessin und führte den Schweizerinnen und Schweizern zwei Dinge vor Augen: die radioaktive Gefahr, die von Atomkraftwerken ausging, und die Abhängigkeit der Schweiz von ausländischen Energielieferanten.

Zwar war der Schweiz ihre Abhängigkeit schon während der Ölkrise 1973 klargeworden. Das neue Energiegesetz, das daraufhin vom Bund ausgearbeitet wurde, scheiterte allerdings an vielseitigen Widerständen aus der Wirtschaft, den Kantonen und politischen Parteien.

Erst der Schock von Tschernobyl wirkte als Weckruf – und veranlasste den damaligen Bundesrat Adolf Ogi zu einer Aktion, die Kultstatus erreichen sollte: Er griff zu Pfanne und Ei und zeigte den Schweizerinnen und Schweizern, wie sie energiesparend Eier kochen konnten.

Damit schwor er sie auf das neue Energiegesetz «Energie 2000» ein, welches die Hürde an der Stimmurne dieses Mal nahm. Weil gleichzeitig dem Atomstrom ein erster Riegel vorgeschoben wurde, machte man sich aber auch erste Gedanken über die Verfügbarkeit von Strom. Kurz: Was den Umgang mit Strom und Energie betraf, hatte ein Umdenken eingesetzt.

Illustration einer Glühbirne, an deren Kabelende eine wehende Schweizer Fahne befestigt ist.

Sparen statt nur verkaufen

So auch bei ewz. Mit dem Energiesparbeschluss des Gemeinderats hatte der städtische Energiedienstleister den Auftrag erhalten, Strom zu sparen (hier geht’s zu einer Liste mit Energiespar-Tipps). Ein visionärer Kopf hatte den wegweisenden Einfall: Bruno Hürlimann war sein Name, und zusammen mit den beiden Mitstreitern Georg Dubacher und Gerhard Emch rief er 1991 die Energieberatung von ewz ins Leben.

Statt den Kundinnen und Kunden noch mehr Strom zu verkaufen, würden sie sie im Gegenteil dazu animieren, weniger Strom zu verbrauchen – und den notwendigen Strom mit erneuerbaren Energien zu decken. Was nicht überall bei ewz auf Verständnis stiess: Wieso sollte ein Unternehmen, das Strom verkauft, plötzlich zum Strom sparen anregen? «Hürlimanns Vision wurde mit Kopfschütteln und spöttischem Lächeln quittiert», sagt Florian Hug, der heutige Leiter der Energieberatung, rückblickend.

«Man kann nicht einfach so ein neues Wasserkraftwerk aus dem Boden stampfen.»

Es sollte eine Erfolgsgeschichte werden, die dem Geschäftsgang von ewz alles andere als schadete: Da der Strombedarf generell kontinuierlich anwuchs, konnte, was auf der einen Seite durch Energieeffizienz eingespart wurde, auf der anderen Seite wieder verkauft werden.

«Man kann nicht einfach so ein neues Wasserkraftwerk aus dem Boden stampfen», sagt Florian Hug dazu. Die Verfügbarkeit des Stroms ist begrenzt, man muss Energie sparen. Der Nutzen der Energieberatung sollte sich bald in grossem Stil zeigen: Neben anderen Einflüssen stieg der Stromverbrauch in der Stadt Zürich in den 30 Jahren auch dank der Beratung nämlich um nur vier Prozent – bei einem Bevölkerungswachstum von 20 Prozent.

Zu den Kundinnen und Kunden gehören neben tausenden Privathaushalten in Zürich und Graubünden besonders auch grosse Institutionen wie Banken, Versicherungen, Hochschulen, Fernsehen und mehr. Mit einem jährlichen Strombezug von 90 Gigawattstunden sind die Verkehrsbetriebe Zürich das energieintensivste Unternehmen, das sich beraten lässt. Und sie alle haben ein enormes Potenzial, zum Klimaschutz beizutragen und weniger Emissionen zu verursachen, indem sie ihren Stromverbrauch senken und Energieeffizienz leben.

Wie funktioniert eine Energieberatung?

Die Energieberatung analysiert bei ihren Kunden den Verbrauch, entwickelt Massnahmenpläne, setzt sie gemeinsam mit der Kundin um und instruiert die Mitarbeitenden. «Falls ein Kunde es wünscht, überwachen wir seinen Stromverbrauch und weisen ihn darauf hin, wenn dieser übermässig zunimmt», sagt Hug.

Dementsprechend befinden sich unter den 14 Beratern Cracks, die sich auf ihre Spezialgebiete fokussieren. Ein Berater kümmert sich zum Beispiel gezielt um Hotels und Restaurants, während sich ein anderer auf Bürogebäude spezialisiert hat. «Leider ist der Frauenanteil bei uns derzeit gleich null», sagt Hug. Da wäre mehr Diversität und Bewerbungen wünschenswert. (Bei ewz bewerben kann man sich übrigens hier: ewz.ch/jobs)

«Alleine für Beleuchtung, Standby und Kochen kann jemand ca. 15% oder 100 Franken pro Jahr sparen.»

«Die 15 bis 20 grössten Kunden beziehen rund die Hälfte des gesamten Stroms der Stadt Zürich», sagt Hug. Massnahmen für mehr Energieeffizienz, die hier ergriffen würden, seien sehr wirksam, aber halt genau auf diese wenigen Kunden beschränkt.

Umgekehrt verhält es sich beim Sparen im Kleinen. «In den Bereichen Beleuchtung, Standby und Kochen sind in Einzelhaushalten Einsparungen von durchschnittlich etwa 15% oder 100 Franken pro Jahr möglich», sagt Hug. Das sei fürs einzelne Haushaltsbudget zwar nicht viel. Zählt man aber die Stromersparnis aller Haushalte zusammen, resultiert daraus eine erkleckliche Summe.

Unkonventionell zum Stromsparen animieren

Auch wenn sich die Energieberatung seit 30 Jahren erfolgreich für mehr Energieeffizienz und Strom Sparen einsetzt – auf den Lorbeeren ausruhen will man sich nicht. «Wir überlegen uns ständig, wie wir die Leute zum zusätzlichen Energiesparen bringen können und entwickeln neue Dienstleistungen», sagt Hug. So hätten sich zum Beispiel Versuche mit Smart Metern als sehr interessant erwiesen: Mit Hilfe einer damit verbundenen App vergleichen Nachbarn ihren Stromverbrauch anonymisiert miteinander. Der spielerische Vergleich einer eventuell sparsameren Nachbarin sporne zu verstärkten eigenen Anstrengungen an, den eigenen Energieverbrauch zu senken, sagt Hug.

«Man muss immer mal wieder Unkonventionelles ausprobieren», ist er überzeugt. Dazu gehört auch die Idee der Energiesparlotsen: Bewohner von Wohngenossenschaften mit einer Affinität zu Technik werden von Energieberatern mit den effizientesten Methoden zum Stromsparen vertraut gemacht. Danach teilen die Lotsen ihr Wissen mit den restlichen Mieterinnen und Mietern – in ihren eigenen Worten und damit nahe am Puls der Genossenschaft. «Sie wirken als Multiplikatoren. Anders könnten wir gar nicht alle erreichen», sagt Hug.

Illustration eines Herzens und eines Ohrs mit Gesicht, die sich high five geben.

Tragische Lebensgeschichten

Bisweilen blicken die Energieberater indessen auch in Abgründe und sehen sich immer mal wieder mit tragischen Umständen konfrontiert. Während 100 Franken Ersparnis für Normalverdienende ein kaum nennenswerter Betrag ist, hat er für Armutsbetroffene eine unvergleichlich höhere Bedeutung. «Wir kommen auch hin und wieder zum Einsatz, wenn jemand seine Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann», sagt Hug.

Zu ihrer Aufgabe gehöre es sowieso, gut zuzuhören. Nicht selten schütte jemand dann gleich das gesamte Lebensleid aus. Energieberatung bedeute manchmal auch Seelsorge. «Der Strom wird zum Glück zuallerletzt abgestellt», sagt Hug.

Womit wir zum Darkroom sowie anderen zwielichtigen Etablissements kommen. Hug erinnert sich: Für eine der ersten Beratungen seien er und ein Kollege in eine Bäckerei gerufen worden. Als sie ein Stockwerk höher stiegen, hätten sie sich plötzlich mitten in einem Bordell mit laufendem Betrieb wiedergefunden, sagt Hug schmunzelnd. Sie staunten auch deshalb nicht schlecht, weil der Auftrag von einem ehemaligen Stadtrat vermittelt worden war.

Noch heute laut lachen muss er, wenn er an den eingangs erwähnten Energieberater denkt. Dieser sei zu einer Energieberatung in einem Hotel mit Bar und Club gerufen worden. Eine junge Frau habe ihn in Empfang genommen und durch die Räume eines Dancings geführt. Plötzlich hätte er sich in einem Darkroom wiedergefunden. Damals sei in Clubs auch noch stark geraucht worden. Der Energieberater habe nach seinem Besuch so sehr gestunken, dass er, zurück im Büro, kurzerhand die Kleider auszog und sie zum Auslüften vors Fenster hängte. Den Rest des Nachmittags verbrachte er in Unterwäsche an seinem Schreibtisch.

Kurz: Die Energieberater von ewz geben alles für ihre Kundinnen und Kunden. Erfolgreich seit 30 Jahren.

Energie sparen geht immer

Neben einer Sammlung von Tipps hier auf powernewz finden Sie auch auf unserer ewz-Webseite Ideen zum Energie- und Geldsparen. Auch individuelle Energieberatungen sind möglich – virtuell via Smartphone oder persönlich.

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Kommentare

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Bisherige Kommentare (2)
Rita Tomasini sagt:

Danke für den Beitrag. Er ist so interessant, dass ich ihn bis zum Ende gelesen habe.

Ich frage Sie, wie stehen Sie zu E-Autos….und es werden immer mehr, vor allem auch die «Potenzbolzen».

Ich weiss, dass bei mir noch Sparpotenzial vorhanden ist – bei Standby.

Nochmals vielen Dank

powernewz-Team sagt:

Guten Tag Frau Tomasini. Vielen Dank für Ihr Kompliment, das uns besonders freut – gerne richte ich es unseren Teamkollegen von der Energieberatung aus. Zur Frage nach E-Autos kann ich Ihnen die Gedanken unseres Kolumnisten (https://www.powernewz.ch/2021/anschaffung-eines-elektroautos/) oder auch weitere Wissensartikel auf powernewz empfehlen: Suchfunktion oben rechts > Elektromobilität als Suchbegriff eingeben. Beste Grüsse, Esther Peter, Redaktionsleitung