Dekarbonisierung:
Handeln ist gefragt – und möglich

Kolumne von christof drexel, 27.07.2021

Beschäftigt man sich mit Klimaschutz, Klimawandel und Massnahmen zur Klimaneutralität, stösst man unweigerlich auf das Schlagwort der Dekarbonisierung. Das «Karbon» in diesem Wort steht für den Kohlenstoff, der in fossilen Energieträgern steckt und für die klimaschädlichen CO2-Emissionen sorgt. Damit gibt es kaum einen Bereich unseres Lebens, der nicht «dekarbonisiert» werden muss.

1. Dekarbonisierung als elementares Ziel für die Energiewende

Bei der elektrischen Energieversorgung ist es vergleichsweise einfach: Der Sammelbegriff «erneuerbare Energien» beschreibt Technologien, die im Betrieb keine CO2-Emissionen verursachen – etwa Photovoltaik, Wasser- und Windkraft. (Auch Kernkraftwerke verursachen keine CO2-Emissionen, zählen aber aufgrund des Uran-Einsatzes nicht zu den erneuerbaren Energien.)

In Europa sind noch zahlreiche Kohle- und Gaskraftwerke am Netz, mittlerweile ist der Beitrag der erneuerbaren Energien aber schon grösser als jener der fossilen Energiequellen (Quelle). Die Dekarbonisierung schreitet hier rasch voran – vor allem aufgrund des stetig steigenden CO2-Preises bzw. der CO2-Abgabe im europäischen Emissionshandelssystem (ETS), der für einen immer unrentableren Betrieb der fossilen Kraftwerke sorgt und damit lenkend die CO2-Emissionen senken soll (Quelle, siehe auch Rubrik Energiewende).

2. Treibhausgas-Emissionen aus der Wärmeversorgung

Der zweite wesentliche Bereich ist die Wärmeversorgung: Öl und Gas werden verbrannt, um Gebäude zu beheizen, Warmwasser zu bereiten und Wärme für verschiedenste Prozesse zu liefern – hauptsächlich in der Industrie, aber auch in der Landwirtschaft oder im Tourismus.

Für die niedrigen Temperaturen der Gebäudewärme steht mit der Wärmepumpe eine Technologie zur Verfügung, die mit Hilfe elektrischer Energie arbeitet und absolut wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Manche Prozesse benötigen höhere Temperaturen, hierfür bietet sich die (CO2 neutrale) Verbrennung von Biomasse an; für sehr hohe Temperaturen wird aber ein Gas benötigt. Um auch hier etwas für den Klimaschutz zu tun und den Kohlenstoffkreislauf geschlossen zu halten, muss es «Grünes Gas» sein.

3. Schwieriger: CO2 vermeiden bei der Bewegungsenergie

Vielschichtig ist der dritte Bereich – die Bewegungsenergie. Während die Dekarbonisierung beim motorisierten Personenverkehr mit Hilfe der E-Mobilität schon in vollem Gange ist, stehen wir beim Güterverkehr noch am Anfang: Auf der Strasse wird er sich ebenfalls weitgehend elektrifizieren lassen (auf der Schiene sowieso), Schiffsfrachter werden zukünftig wohl eher mit dem wasserstoffbasierten Ammoniak betrieben werden. Und im Flugverkehr ist der Weg zur Kohlenstofffreiheit noch kaum zu erkennen, enorme Mengen an Treibhausgas gelangen in die Luft.

Fazit: Wir müssen etwas tun, die Lösungen sind schon da

Der Grossteil all dieser Substitutionen baut auf elektrische Energie. Wenn wir es nicht schaffen, den Bedarf in all diesen Bereichen mit Hilfe von Effizienz und Suffizienz massiv zu reduzieren, werden wir die erforderlichen Mengen nicht bereitstellen können. Die Dekarbonisierung ist keine rein technische Entwicklung, sie kann nur im gesamtgesellschaftlichen Kontext gelingen.

Porträt von Christof Drexel
Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichung
Was ist Dekarbonisierung?

Der Begriff umschreibt die Abkehr von Kohlenstoff, speziell in der Energiebranche. Denn durch die Verbrennung von Erdgas, Öl oder Kohle wird Kohlenstoff freigesetzt und gelangt global als CO2 in die Atmosphäre. Hier sorgt er für den Treibhausgaseffekt und letztlich für die weltweite Erwärmung des Klimas und für den aktuellen Klimawandel.

Synonym für Dekarbonisierung

Dekarbonisierung wird auch Entkarbonisierung genannt und meint wörtlich die Reduzierung von Karbon, also Kohlenstoff. Erneuerbare Energieträger und eine erhöhte Energieeffizienz tragen weltweit zur Vermeidung von Emissionen bei.

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Kommentare

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Bisherige Kommentare (3)
Klaus B. Eichenberger sagt:

Herr Drexler macht (absichtlich oder unabsichtlich) leider keine Unterscheidung zwischen „erneuerbaren“ Energien und „neuen, erneuerbaren“ Energien, z.B. bei der Erzeugung von Elektrizität.
Daher kann seine Aussage, dass die „erneuerbaren“ Energien heute bereits die fossil basierte Stromerzeugung überholt habe, zu „Missverständnissen verleiten (gewollt oder ungewollt) !
Der Stromsektor steht tatsächlich im Zentrum auf dem Weg zu der von vielen Ländern angekündigten Netto-Null-CO2-Emmissionen im Jahr 2050. dies umsomehr als die Stromnachfrage gemäss einer Studie der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in Paris um den Faktor 2,5 steigen dürfte, zum Teil aufgrund der „Elektrifizierung“ der Endnachfrage, die momentan global primär durch fossile Energieträger befriedigt wird.

Christof Drexel sagt:

Guten Tag Herr Eichenberger,
ich vermute, mit «neuen» erneuerbaren Energien meinen Sie jene Erneuerbaren, die noch gebaut werden müssen. Da haben Sie natürlich recht – der enorme Ausbau steht noch an! Dass der Anteil der EE an der Bruttostromerzeugung in der EU schon grösser ist, als jener der fossilen Energieträger, ist eine Tatsache (Quelle ist angegeben) – aber es wird, wie Sie schreiben, nicht beim heutigen Bedarf bleiben. Um den Faktor 2,5 steigt der Bedarf, wenn es uns nicht gelingt, durch Suffizienz und Effizienz massive Reduktionen zu erzielen. Deshalb weise ich im letzten Absatz so eindringlich auf diese Strategien hin. Denn auch für den Ausbau von EE gibt es auf einem endlichen Planeten Grenzen…

Klaus B. Eichenberger sagt:

Die neuen, erneuerbaren Energien, sind Solar, Wind, Geothermie etc.
Hydro, also Wasserkrsft, Holz etc. sind seit langem bekannte erneuerbare Energiequellen.
Die Differenz bei der Beurteilung des Anteils der neuen,, erneuerbaren Energiequellen am gesamten Stromangebot rührt daher, dass Drexler nur die EU, die insbesondere in Deutschland Solar, Wind etc. massiv subventioniert berücksichtigt, wogegen Eichenberger die Beurteilung im gobalenMassstab vornimmt. Und aus dieser. Sicht liegt der fossile Anteil an der Stromproduktion noch immer weit über 60 %. Da die Klimafrage eine globale ist, ist auch die globale Sicht relevant und nicht die Sicht allein auf die EU.