CO2-Filter für zu Hause?!

Kolumne von christof drexel, 06.04.2021
Portrait Christof Drexel

Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichbarkeit. Mehr zu seiner Person im Portrait.

Kürzlich wurde ich gefragt, ob es CO2-Filter für den Hausgebrauch gibt. Obwohl der Frage letztlich ein Missverständnis zugrunde lag, ist sie nicht uninteressant.

In Innenräumen ist die CO2-Konzentration meist deutlich höher als im Freien. Das liegt daran, dass wir Menschen CO2 ausatmen. Das Gas an sich ist geruchslos – eine erhöhte CO2-Konzentration wird sensorisch nicht wahrgenommen.

Wir Menschen emittieren aber nicht nur CO2, sondern auch eine Vielzahl von anderen Stoffen, die man durchaus riechen kann. Deswegen führt die Anwesenheit vieler Personen auf engem Raum zu schlechter Luft, die eben auch einen höheren CO2-Gehalt aufweist.

CO2 wird deshalb oft als Indikator für die Luftqualität in Innenräumen verwendet: Je höher der Wert, umso schlechter die Luft, insbesondere wenn die Quelle der Schadstoffe Menschen sind.

Lüften in Innenräumen

Das CO2 aus dieser belasteten Luft herauszufiltern, würde aber nichts bringen. Das Gas selbst ist ja geruchslos, die Wahrnehmung der schlechten Luft ist auf andere Gase zurückzuführen. Deswegen muss in Innenräumen gelüftet werden – manuell über Fenster oder auch über mechanische Lüftungsanlagen. Damit werden die Schadstoffe zuverlässig abgeführt – eine CO2-geführte Luftmengenregelung kann dafür sorgen, dass nicht zu viel und nicht zu wenig gelüftet wird.

CO2 ist aber auch das wichtigste Treibhausgas. Die Konzentration in der Atmosphäre lag über sehr lange Zeit bei 200 bis 300 ppm (parts per million), stieg aber mit der industriellen Revolution langsam, seit Mitte des vorigen Jahrhunderts immer schneller an und liegt jetzt schon bei über 400 ppm. Weil diese hohe Konzentration hauptverantwortlich für die globale Erwärmung ist, muss die Zunahme unbedingt gestoppt und die Konzentration sogar wieder verringert werden.

Neben der essenziellen Reduktion der CO2-Emissionen (vorwiegend aus der Verbrennung fossiler Stoffe) werden deshalb auch die Strategien der «negativen Emissionen» benötigt. Eine davon ist tatsächlich ein CO2-Filter.

Nicht für zu Hause, sondern als grosstechnische Anlage konzipiert, die in der Lage ist, tausende Tonnen CO2 aus der Luft zu filtern. Ein Schweizer Unternehmen hat diese Technologie entwickelt – powernewz berichtete.

Und der CO2-Filter für zu Hause?

Und ja, theoretisch wäre es möglich, eine solche Technologie in die private Lüftungsanlage einzubauen. Nicht, um die Innenraum-Luftqualität zu verbessern, sondern um das herausgefilterte CO2 der Atmosphäre zu ersparen.

Eine solche Anlage könnte der verbrauchten Luft vielleicht 1–2 Tonnen pro Jahr entziehen – immerhin die Grössenordnung der Emission eines durchschnittlichen PKWs. Den Praxisversuch gab es meines Wissens bislang nicht, die Kosten dürften für Anwendungen dieser Grösse wohl deutlich zu hoch sein.

Newsletter abonnieren

Artikel teilen

weitere Artikel

Elektronikschrott, der symbolisch in einem Mülleimer entsorgt wurde.

31.03.2021

Elektronik­schrott entsorgen: Wo Sie alte Geräte kostenlos abgeben
Tipps

16.03.2021

Klimaneutral heizen – Teil 2: Wärmenetze
Kolumne
Die Ingenieurin Jaël Keller steht draussen vor dem Unterwerk. Sie trägt Leuchtjacke und Maske.

02.03.2021

Warum sie statt Künstlerin dann doch Ingenieurin wurde
Technologie

24.02.2021

Klimaneutral heizen, aber wie?
Kolumne
Eine Reihe von Stromzählern aufgehängt an der Wand.

05.02.2021

Smart Meter – Wenn der Stromzähler intelligent wird
Smart City
Illustration eines geöffneten Buchs, zwischen dessen Seiten Menschen eintreten oder herausschauen.

02.02.2021

Energieautark wohnen: Geht das (wirtschaftlich)?
Kolumne
Männliche Hände, die ein Solarpannel halten und darauf eine Schraube fixieren.

22.01.2021

Graue Energie einfach erklärt und 4 Tipps, wie man sie spart
Tipps

13.01.2021

Wir sollten mehr tanzen.
Kolumne
Kommentare

 verbleibende Anzahl Zeichen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht publiziert.