Und wie geht’s eigentlich dem Klima?

Kolumne von christof drexel, 8.9.2020
Portrait Christof Drexel

Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichbarkeit.

Nach wie vor dominiert die Pandemie unser Leben: In irgendeiner Form sind wir alle betroffen, wenige von der Krankheit selbst, so gut wie alle von den Auswirkungen und Präventivmassnahmen. Darüber hinaus machen wir uns berechtigt Sorgen, wie es wohl weiter geht – gesellschaftlich und volkswirtschaftlich.

Währenddessen schreitet aber die globale Erwärmung spür- und sichtbar voran. 38 Grad Celsius in Sibirien; die Antarktis erwärmt sich dreimal so stark wie der Rest der Welt und die Eisschmelze hat ein bedrohliches Ausmass angenommen: Sind hier schon Kipppunkte erreicht, kann die Erwärmung überhaupt noch gestoppt werden?

Johan Rockström, Direktor des renommierten PIK, erklärt uns in der Financial Times, warum wir den globalen Klimanotstand ausrufen müssen, jetzt. Noch gibt es Anlass, die Hoffnung nicht aufzugeben: Mit einer jährlichen Reduktion der globalen Treibhausgasemission von 7% könnte die Erwärmung bei 1,5 bis maximal 2 Grad gestoppt werden. Bizarr: Was die Staatengemeinschaft bis jetzt nicht annähernd geschafft hat, ermöglicht im Jahr 2020 Corona: Am Ende dieses Jahres könnten die globalen Emissionen in etwa um dieses Mass absinken. Doch darf es keiner Pandemien oder anderer Tragödien bedürfen – wir müssen das Ruder selbst in die Hand nehmen und für eine schnelle, kontrollierte Reduktion der Emissionen sorgen!

Warum das so wichtig ist? Eine Erwärmung von mehr als zwei Grad wird unkontrollierbar; bremsen wir die Emissionen nicht rechtzeitig ein, könnten es im Jahr 2070 aber bereits drei Grad werden. Gemäss einer aktuellen Studie der PNAS würden dann 19% der weltweiten Landoberfläche eine Durchschnittstemperatur von mehr als 29 °C aufweisen, was derzeit fast nur in der Sahara (0,8% der Landoberfläche) der Fall ist. Riesige Regionen würden unbewohnbar, über drei Milliarden Menschen wären betroffen [siehe Artikel der Washington Post].

Corona hat weder die Effizienz unserer Gebäude noch den Anteil erneuerbarer Energien erhöht. Corona hat es geschafft, nur über unser Verhalten, über reduzierte Mobilität, über eine gedrosselte Industrieproduktion die Emissionen im erforderlichen Ausmass einzudämmen. Das alles hatte eine Vielzahl von unerwünschten Begleiterscheinungen zur Folge, die wir einfach akzeptieren mussten. Nehmen wir die Sache endlich selbst in die Hand und setzen neben den erforderlichen Strategien der Effizienz und der Erneuerbaren langfristig auch auf die Suffizienz: Das Gelingen einer klimaneutralen Gesellschaft hängt auch vom politischen Willen ab, den erforderlichen Wandel zu gestalten.

Es gilt, Lenkungsmassnahmen zu definieren, die klimafreundliches Verhalten begünstigen und klimaschädliches erschweren.

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