Solarenergie für alle – auch für Mieterinnen und Mieter

Solarstrom vom Schulhausdach: Der Rütihof hat eine neue Solaranlage. Das kommt nicht nur der Schule zugute: Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich können Quadratmeter mieten und Strom beziehen. Doch wie entsteht eine Solaranlage überhaupt? Ein Besuch beim Solarstrom vom Schulhausdach mit Iris Hassenpflug, Projektverantwortliche bei ewz.
Drohnenaufnahme des gesamten Schulhauses sowie angrenzende Häuser und Strassen.
Drohenaufnahme, die neun Solarpannels auf dem Schulhausdach zeigt. Dazwischen bewegt sich ein Arbeiter. Auch ihn sieht man von oben.

Der Wind weht und wir stehen oben auf dem Dach. Hier reihen sich Solarmodule dicht aneinander, bilden lange Linien, welche die 1’140 Quadratmeter grosse Fläche fast zu vermessen scheinen. Um uns herum grüne Wälder, die sich vor unseren Augen ausbreiten. Seit den Herbstferien wird auf dem Dach der Schule Rütihof geschraubt, vermessen und verlegt. «In Kürze wird auch diese Solaranlage fertig sein», sagt Iris Hassenpflug und schaut umher, währenddessen der herbstliche Wind ihre Wangen rötet.

Hassenpflug arbeitet seit neun Jahren bei ewz, aktuell leitet sie den Bau der Solaranlage auf dem Schulhaus. Sie erzählt davon, beantwortet jede Frage mit einem anschaulichen Beispiel, indem sie mit ihren Händen gestikuliert, kleine Skizzen in ihr Notizbuch zeichnet oder auf die jeweiligen Bauelemente verweist, von denen sie gerade spricht. So laufen wir vom einen Ende des Daches zum anderen, Iris Hassenpflug geht voraus, zeigt, erklärt.

Man merkt: Die Projektleiterin ist nicht zum ersten Mal hier. «Nein, definitiv nicht!», sagt sie und schmunzelt. Bereits im August war sie regelmässig auf dem Schulgelände, als eine Solaranlage auf dem kleineren Dach montiert wurde. Nun folgt das grössere. Dafür werden zunächst die Betonelemente positioniert, worauf anschliessend die Solarmodule befestigt werden. Davor werden die Kabel verlegt, gebündelt und zu einem Wechselrichter geführt, der den Gleich- in Wechselstrom umwandelt und ins Netz einspeist. Der Bau einer Anlage nimmt drei bis vier Wochen in Anspruch.

Iris Hassenpflug und Giulia Bernardi stehen zwischen Solarpannels auf dem Schulhausdach.
Nahaufnahme eines Solarpannels.
Damit auch eine Dachbegrünung möglich ist, werden die Solarpanels auf 30cm hohen Betonelementen angebracht.
Reihen von Solarpannels liefern Solarstrom vom Schulhausdach.
Iris Hassenpflug kniet vor einer Solaranlage und zeigt mit ihrer Hand, dass unterhalb der Solarpannels Raum für Pflanzen besteht.
Iris Hassenpflug steht zwischen den Solarpannels und macht sich Notizen in ein gelbes Heft.
«Man hat einen grösseren Bezug, wenn man weiss, dass der Strom beispielsweise aus dem Quartier nebenan stammt», erklärt Iris Hassenpflug.
Arbeiter installieren die Solarpannels, von denen man später der Solarstrom beziehen kann.

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Blick vom grossen auf das kleinere Dach des Schulhauses. Das Dach ist voll mit Solarpannels.
Blick vom grossen auf das kleinere Dach des Schulhauses. Das Dach ist voll mit Solarpannels.
Ein Schulhausdach eignet sich besonders gut für diese Solaranlage, weil es rund 100 Tage im Jahr leer steht und damit wenig Energie braucht.
Das Schulhaus Ruetihof mit seiner von Bäumen gesäumten Terasse.
Drohnenaufnahme, die einen Blick auf das gesamte mit Solarpannels bestückte Schulhausdach ermöglicht.

Ein wichtiger Schritt in der Klimapolitik

Grund für die neue Solaranlage war die Sanierung des Schulhauses. «Nach etwa 20 bis 25 Jahren ist ein Flachdach sanierungsbedürftig», erklärt Iris Hassenpflug. «Tritt der Fall ein, ist es sinnvoll zu prüfen, ob sich das Dach für eine Solaranlage eignet.» Dabei gelte es zu beachten, ob die Tragkraft ausreicht oder das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Auch Bäume und Nachbarshäuser, die Schatten spenden, können eine mögliche Hürde sein.

Doch die Vorabklärungen sind noch längst nicht alles. «Es gibt so vieles, an das man denken muss», sagt Hassenpflug und hält kurz inne, als ob sie im Kopf eine unsichtbare Checkliste durchgehen würde. Beispielsweise müsse mit der Anlage auch die Begrünung des Daches geplant werden. Aus diesem Grund wurden die Solarmodule auf etwa 30 Zentimeter hohen Betonelementen platziert: Darunter können Pflanzen und Gräser wachsen, ohne die Module zu beschatten. «Obwohl man durch die Begrünung einerseits weniger dicht bauen kann, hat sie andererseits einen kühlenden Effekt, was die Leistung der Solaranlage leicht erhöht.» Ausserdem wirke die Begründung wie eine zusätzliche Isolierung: Im Sommer heizt das Gebäude weniger auf, im Winter kühlt es weniger aus.

Die Solaranlage wird bei der nächsten Sanierung wieder ausgewechselt. Ein sinnvoller Rhythmus, denn in dieser Zeit werden die Module weiterentwickelt, was sich auch auf ihre Leistung auswirkt. Als Beispiel: Die Schule Rütihof wurde in den 1990er-Jahren gebaut und mit einer Anlage ausgestattet. Seitdem hat sich die Leistungsfähigkeit von Solarpanels praktisch verdreifacht. Auch der Preis ist gesunken. Während 1999 jede Kilowattstunde 86 Rappen kostete, sind es heute rund 15 Rappen.

Bei einer Sanierung den Bau einer Solaranlage mitzudenken, stellt nicht zuletzt einen wichtigen Schritt in der Klimapolitik dar: Laut dem Bundesamt für Energie soll bis 2050 rund 20 Prozent des Strombedarfes mit Photovoltaik gedeckt werden. Doch der Weg ist noch lang: Obwohl bereits fast zwei Drittel des Stromes aus erneuerbaren Energien stammen, fällt Solarenergie noch wenig ins Gewicht. Das Bundesamt für Energie empfiehlt daher den Bau von Solaranlagen zu fördern und Gebäude energetisch optimal zu sanieren.

Quadratmeter mieten und Solarstrom beziehen

Seit 2014 hat ewz eine Vereinbarung mit der Stadt Zürich, welche den Bau von Solaranlagen auf städtischen Gebäuden ermöglicht. Seitdem wurden 20 Gebäude ausgestattet, darunter etwa das Pflegezentrum Entlisberg, zahlreiche Schulen oder das Stadtspital Waid. Mit dem Stromprodukt ewz.solarzüri können Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt eine beliebige Anzahl an Quadratmetern mieten und Solarstrom beziehen.

«Viele Mieterinnen und Mieter würden gerne von Sonnenenergie profitieren, können aber keine eigene Anlage haben», so Iris Hassenpflug. Dass das Angebot Anklang findet, schlägt sich auch in den Zahlen nieder: In der Stadt Zürich wird es aktuell von rund 5’000 Personen genutzt und es kommen laufend neue Anlagen hinzu. Die Quadratmeter der Anlage Rütihof sind übrigens bereits ausverkauft.

«Viele Mieterinnen und Mieter würden gerne von Sonnenenergie profitieren, können aber keine eigene Anlage haben.
Deshalb kann man sich hier beteiligen.»

Dabei bringen Schulen einen weiteren Standortvorteil mit sich. «Die Gebäude stehen rund 100 Tage im Jahr leer», fährt Hassenpflug fort. «Der Strombedarf ist daher viel niedriger, als es beispielsweise bei Pflegezentren oder Spitälern der Fall ist.» Der Strom, der nicht benötigt wird, wird ins öffentliche Netz eingespeist und kommt den Mieterinnen und Mietern zugute.

«Ich denke, dass das Angebot auf Solarenergie sensibilisieren kann und eine wichtige emotionale Komponente mit sich bringt», sagt Iris Hassenpflug, währenddessen wir langsam vom Dach hinuntersteigen. «Man hat einen grösseren Bezug, wenn man weiss, dass der Strom beispielsweise aus dem Quartier nebenan stammt.»

Solarenergie für alle

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