Öffentlicher Verkehr ist gut, elektrischer ÖV ist besser.

Kolumne von christof drexel, 01.12.2020

Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt, verringert seinen ökologischen Fussabdruck. Das ist grundsätzlich unbestritten. Dass es aber auch den ÖV nicht zum ökologischen Nulltarif gibt, wird selten diskutiert.

Der Anteil des öffentlichen Verkehrs an unseren heutigen Emissionen liegt in der Grössenordnung von einem Prozent. Das könnte man als vernachlässigbar bezeichnen. Bedenkt man aber, dass wir zum einen unsere Emissionen um mehr als 90 Prozent verringern müssen (vgl. Artikel zum Thema Klimaneutralität) und zum anderen der ÖPNV (öffentliche Personennahverkehr) auch noch deutlich zunehmen soll, sehen die Grössenverhältnisse anders aus: Bus und Bahn würden dann mit dem heutigen CO2-Ausstoss 15 oder 20 Prozent der zukünftigen Gesamtemission verursachen – das können wir uns nicht leisten.

Das Zauberwort lautet (auch hier) Elektrifizierung. Während der Schienenverkehr (Fern- und Regionalzüge, Trams und U-Bahnen) mit weniger als 10 Gramm CO2 pro Personenkilometer auskommt, verursachen dieselbetriebene Busse immerhin 50-60 Gramm [Quelle]. Zum Vergleich: Wer alleine im fossilen PKW sitzt, hat rund 250 Gramm pro Kilometer zu verantworten; im Elektroauto kommen wir je nach Strommix mit etwa der Hälfte aus (jeweils inkl. der vorgelagerten Emissionen und auch inkl. der Batterieherstellung) [Quelle].

Mit dem Elektroauto fährt man also zu zweit bereits gleich gut (oder schlecht) wie mit dem Dieselbus. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) gingen der Sache auf den Grund und liessen mehrere Alternativen untersuchen [Quelle]. Mit dem Ergebnis, dass nun sukzessive auf elektrisch betriebene Busse umgestellt wird. Anstelle von 1,6 kg CO2 pro Kilometer emittiert ein 18-m-Bus mit VBZ-Strommix nur noch 0,23 kg CO2 – eine Reduktion von 85%! Bei einer mittleren Belegung von 20 Prozent (26 Personen) entspricht das dann knapp 10 Gramm CO2 pro Personenkilometer. Auch hier wurden alle Emissionen berücksichtigt – Batterie- und Fahrzeugherstellung ebenso wie anteilige Herstellung und Wartung der Fahrbahn.

Massive Effizienzsteigerung, Sektorkopplung und Erneuerbare Energien – dieses Trio wird sich zukünftig in vielen von unseren Lebensbereichen verankern. Und wie nebenbei steigern wir dadurch unsere Lebensqualität: Die Busse schnurren angenehm leise dahin, ohne ein Gramm Feinstaub oder Stickoxid in den belasteten Ballungsräumen auszustossen (ausgenommen Feinstaub durch Abrieb, siehe Detailseite der VBZ).

Porträt von Christof Drexel
Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichung
Was bedeutet Sektorkopplung?

Emissionen werden traditionell vier verschiedenen Sektoren zugeordnet: Gebäudewärme, Verkehr, Industrie und Energieversorgung.
Nun werden fossile Energieformen in allen Sektoren teilweise durch elektrische Energie ersetzt: Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen, Verbrennungsmotoren durch Elektroantriebe.

Für die industrielle Prozesswärme können synthetische Gase aus elektrischer Energie erneuerbaren Ursprungs verwendet werden. Diese Verschiebungen führen dazu, dass das Emissionsgeschehen nicht mehr in einzelnen Sektoren, sondern gemeinsam betrachtet wird – die Sektoren werden aneinandergekoppelt.

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