Portrait Christof Drexel
Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren nachhaltige Erreichung

Klimawandel, Politik, Gesellschaft.

Kolumne von christof drexel, 28.07.2020

Corona überschattet fast alles. Als ob die Pandemie nicht schon dramatisch genug wäre, droht die weltweite Rezession nun auch zu einer sozialen Krise auszuwachsen; die Armutsbekämpfung wird um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurückgeworfen.

Parallel dazu gibt es aber auch das wachsende Bewusstsein, die immer konkreter werdende Absicht, die globale Erwärmung zu stoppen, stoppen zu müssen. Und die Krise als Chance zu nutzen, vielleicht für einen «gesellschaftlichen Reset», wie es der Filmemacher Nico Hofmann kürzlich formulierte.

Wie gross die Herausforderung ist und was es bedeutet, die Treibhausgas-Emissionen rechtzeitig zu reduzieren, wurde an dieser Stelle mehrfach behandelt [siehe Kolumnen zur Überarbeitung des CO2-Gesetzes, dem Big Picture Klima oder Was ist Klimaneutralität?]. Ich frage mich manchmal, wo dieses Bewusstsein schon mehr verankert ist – in den Köpfen der Politik oder in der Gesellschaft?

Bundespräsidentin Sommaruga hielt im Rahmen des WEF (noch vor der Krise – liegt scheinbar ewig zurück) eine so flammende Rede, dass die Antwort klar scheint: Die Dringlichkeit ist in der Politik angekommen. Die Bedrohung verstanden und zur Kenntnis genommen, die Notwendigkeit des Umbaus von Gesellschaft und Wirtschaft («Reset») daraus abgeleitet. Doch wächst dieses Verständnis selbstredend nicht bei allen politisch Verantwortlichen in derselben Geschwindigkeit.

Damit die erforderlichen Mehrheiten für die Umsetzung der nötigen Massnahmen entstehen können, ist wieder die Gesellschaft gefordert: Einzelne, Gruppen, Stakeholder preschen voran und bestätigen die progressiven Kräfte der Politik. Ein beeindruckendes Zeugnis legt hier beispielsweise die Schweizer Initiative #CEO4climate ab: Über 400 Unternehmer sprechen sich für «eine Klimapolitik mit Weitblick» aus.

Vielleicht ist das der Weg aus der Krise: ein Ping-Pong-Spiel, ein gegenseitiges Fordern und Ermutigen. Das stärkt die Kraft jener, die sich der bedrohlichen Lage bewusst sind. Das Anerkennen der vielschichtigen Herausforderungen ermöglicht die Diskussion von echten Lösungen.

Und vielleicht wird es am Ende wieder einfacher: Die klimaneutrale Gesellschaft kann auch ökonomisch stabil, gerechter und gesünder werden. Stärkung der Regionalwirtschaften, Ressourcen- statt Arbeitssteuer, Verringerung der Ungleichheit und Reduktion der globalen Personen- und Warenströme sind die Schlagworte hierfür.

Artikel teilen

weitere Artikel

Luftaufnahme des revitalisierten Flussabschnittes bei Bever.

09.05.2022

Wie das Engadiner Dorf Bever seine Auenlandschaft wieder aufbaut
Erneuerbare Energien
Eine Parkbank am Ufer eines Sees, die wegen Hochwasser im Wasser steht, daneben Bäume, im Hintergrund Berge.

29.04.2022

Wo liegt der richtige CO2-Preis?
Berichte
Illustration eines geöffneten Buchs, zwischen dessen Seiten Menschen eintreten oder herausschauen.

22.04.2022

«Klimaneutrale» E-Fuels im Faktencheck
Kolumne
Pumpenplannform beim einwassern beim Werkplatz Hafen Tiefenbrunnen

08.04.2022

Seewasserverbund Zürich: Innovation zur nachhaltigen Wärmeversorgung
Erneuerbare Energien
Aussenansicht der gesamten Anlage

29.03.2022

CO2 aus der Luft saugen: Der Kohlendioxid-Staubsauger von Climeworks
Innovation

18.03.2022

Nachhaltig Bauen: Ressourcen­schonend ist noch nicht klimaneutral
Kolumne

18.02.2022

Direkte vs. indirekte CO2-Emissionen
Kolumne
Einen grünen Smiley-Pad mit einer Nähnadel und einem blauen oder rosa Faden auf den grünen Pullover nähen.

11.02.2022

Flicken statt wegwerfen: Ab in’s Repair Café
Nachhaltigkeit
Kommentare

 verbleibende Anzahl Zeichen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht publiziert.