Portrait Christof Drexel

Negative Emissionen

Kolumne von christof drexel, 20.10.2020

Das klingt irgendwie ungut, negativ. Obwohl – «negativ» zu sein, hat in letzter Zeit eine positive Bedeutung erhalten, aber das ist eine andere Geschichte.

Weil wir (Treibhausgas-)Emissionen vermeiden wollen, sind negative Emissionen hilfreich: Wir emittieren nicht, wir entziehen der Atmosphäre Treibhausgase. Man könnte dazu auch Treibhausgas-Absorption sagen, aber das hat sich eben nicht eingebürgert. Deshalb – Negative Emissionen.

Die Tatsache, dass es solche Methoden gibt, verleitet vielleicht zur Phantasie, man müsse die Emissionen gar nicht reduzieren. Leider: Die bekannten Potenziale reichen nicht im Entferntesten aus, um die (noch immer zunehmenden) globalen Emissionen zu kompensieren, und erst recht nicht, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu verringern. Negative Emissionen – und das ist das Gute daran – bewahren uns davor, unsere Emissionen auf null reduzieren zu müssen. Das wäre wohl auch ein Ding der Unmöglichkeit. Wie in der Kolumne Klimaneutralität: Was ist das? beschrieben, kann der Atmosphäre mit Hilfe der «Natural Climate Solutions» die Grössenordnung von einer Tonne CO2 pro Kopf und Jahr entzogen werden – gegenüber rund vierzehn Tonnen, die wir heute in der Schweiz durchschnittlich zu verantworten haben: An den Reduktions-Strategien führt kein Weg vorbei.

Parallel dazu ist aber eben auch dafür zu sorgen, dass diese eine Tonne (pro Kopf und Jahr) der Atmosphäre dereinst wirklich entzogen wird.

  • Viel Potenzial bietet die Aufforstung von Wäldern: Die Kohlenstoff atmende Biomasse darf nicht weiter abgebaut und zurückgedrängt werden – das Gegenteil ist erforderlich: global wie regional.
  • Die energetische Nutzung von Biomasse kann ebenfalls zu negativen Emissionen führen: Das Akronym BECCS – Biomass Energy with Carbon Capture an Storage – steht für die Abscheidung des Kohlenstoffs aus dem Abgas der Verbrennung. Dieser Kohlenstoff, der vom Baum im Lauf seines Lebens aufgenommen wurde, bleibt langfristig gebunden bzw. gespeichert und gelangt nicht wieder in die Atmosphäre zurück.
  • Diesen abgeschiedenen Kohlenstoff bezeichnet man auch als Biokohle, die unter anderem in der Landwirtschaft Wunder wirken kann: Sie hilft beim Humusaufbau, sorgt damit für mehr Produktivität, reduziert den Einsatz von mineralischem Dünger und sorgt damit in einer Reihe von Sekundäreffekten für eine zusätzliche Reduktion von Treibhausgas-Emissionen.

Es gibt auch technische Lösungen, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen: Eine davon wurde vom Schweizer Unternehmen Climeworks entwickelt – eine Art «Kohlendioxid-Staubsauger», der in diesem Beitrag genauer beschrieben wurde.

Einmal mehr ist zu attestieren: Strategien und notwendige Massnahmen sind bekannt. Wir müssen sie in der Breite umsetzen. Jetzt.

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