Portrait Christof Drexel

Elektromobilität und Demokratie

Kolumne von christof drexel, 18.02.2020

Die Produktion von Elektrofahrzeugen ist mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Wie bei jedem anderen industriell hergestellten Produkt müssen unter Verwendung verschiedenster Rohstoffe Materialien und Einzelteile produziert, transportiert und unter Einsatz von elektrischer Energie zusammengebaut werden. Dabei stellt der Lithium-Abbau in Südamerika gegenwärtig das grösste ökologische Problem dar. Der hohe Wasserverbrauch, das Absinken des Grundwasserspiegels, das Hinterlassen von chemisch belasteten Salzwüsten – all das macht den Batterie-Rohstoff zur Zielscheibe aller E-Mobilitätsskeptiker. Immerhin kann Lithium auch auf andere Art und Weise gewonnen werden. In Australien, aber auch hier in Mitteleuropa wird Lithium im Erzbergbau abgebaut. Auch das ist mit Aufwand und ökologischen Herausforderungen verbunden, aber eben deutlich weniger.

Keine Frage, am besten wäre es, wir kämen ohne Automobil aus. Und jedes Fahrzeug zählt. Wenn wir uns aber eingestehen, dass es zumindest die nächsten paar Jahrzehnte ganz ohne motorisierten Individualverkehr nicht gehen wird, müssen wir zur Beurteilung der Elektromobilität den Vergleich zum Status quo ziehen: Auch Ölfelder sind nämlich keine Naturschutzgebiete. Unfälle von Öltankern oder auf Ölbohrplattformen verursachen regelmässig ökologische Katastrophen (nein, die finden nicht statt, wenn wir keine fossilen Treib- und Brennstoffe mehr benötigen!). Die Treibhausgasemissionen aus der fossilen Mobilität stellen die grösste Herausforderung im Klimaschutz dar. Die Problematik von urbanem Feinstaub und Stickstoffoxiden verdanken wir hauptsächlich den Verbrennungsmotoren.

Die Elektromobilität kann hingegen ihre Vorzüge in Zukunft noch ausbauen: Die Zellproduktion wird mit zunehmendem Anteil Erneuerbarer Energien immer CO2-ärmer; der Betrieb der Fahrzeuge natürlich auch. Der erste Tesla erreichte kürzlich eine Kilometerleistung von 1’000’000: Dank der einfachen, robusten Technik kann das Fahrzeug deutlich länger gefahren werden – das schont auch Ressourcen. Ausserdem können die Batterie-Rohstoffe mittlerweile schon zu 75% rezykliert werden – Tendenz steigend. Ganz ohne Umweltbelastung wird aber eine industrielle Produktion nie sein.

Winston Churchill hat gemeint, Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen. Abgesehen von allen anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind. So ähnlich ist es wohl auch mit dem Elektroauto.

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Kommentare

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Bisherige Kommentare (4)

Beat Reuteler sagt:

Aktuell ist die Modellauswahl noch schmal und die Preise je nach Anforderung hoch. Die Industrie hat noch gewaltigen Nachholbedarf, nicht nur bei der Akku-Zelle und vor allem deren Bestandteile, sondern auch bei der Modellpalette und vor allem bei der Alltagstauglichkeit. Deshalb wäre ich aktuell gegen eine Förderung der Elektromobilität, obwohl ich es super finde dass Leute die es sich leisten können, bereits auf Elektro-Autos umsteigen. Aber die Industrie sollte den Druck weiter spüren, um ohne zu ruhen die nötigen Verbesserungen zu entwickeln. Besonders die spezifische Kapazität (KWh/Kg) der Akkus sollte besser werden, so dass alltagstaugliche E-Autos nicht schwerer bauen als heutige.

Helmut sagt:

Hallo Jean. Wie kommst Du denn darauf, dass Gering- und Normalverdiener die Kosten bezahlen? Die untersten 80% (der Einkommen) bezahlen 11.834% der direkten Bundessteuern (und daraus werden auch Subventionen bezahlt), während die obersten 10% ganze 78.191% der Steuer bezahlen. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2016.
Dieses Thema ist also für den Klassenkampf kaum geeignet.

Jean Blanc sagt:

Hallo Christof,
Das größte Problem sehe ich im Moment in der Infrastruktur. Ich kenne kein Konzept wie das Laden in urbanen Zonen bewerkstelligt werden soll. Ich wohne in einer Kleinstadt im 3. Stock ohne festen Parkplatz, bin aber auf ein Fahrzeug angewiesen. Solange diese Probleme nicht gelöst sind, wird sich Elektromobilität nicht am Markt durchsetzen und zu sozialer Ungerechtigkeit führen. Förderprogramme bedienen dann nur die gehobene Mittelschicht und die Oberschicht. Die Kosten tragen Gering- und Normalverdiener.

Christof Drexel sagt:

Lieber Jean,
ja, der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur kann als Umsetzungsbremse wirken. Und ja, gerade im urbanen Raum ist der Ausbau auch am schwierigsten. Andererseits: je dichter, umso besser die Öffis und umso geringer der Bedarf an individueller Mobilität. Was nicht heisst, dass sie gar nicht benötigt wird, aber eben nicht von allen. Ich stimme weiters zu, dass jegliche Veränderung, jegliche Lenkungsmassnahme auf soziale Verträglichkeit geprüft werden muss. Im Idealfall stehen finanziell benachteilgte Personen nach der Veränderung besser da als vorher. Dann ist mit Akzeptanz zu rechnen.