CO2-Abgabe, warum und wie hoch

Kolumne von Christof Drexel, 29.9.2020
Portrait Christof Drexel

Buchautor und Referent Christof Drexel ist Experte für Fragestellungen rund um die Energiezukunft und deren Erreichbarkeit. Mehr zu seiner Person im Portrait.

«… klimafreundliches Verhalten begünstigen und klimaschädliches erschweren.» – das war der Schluss meiner letzten Kolumne. Gemeint ist damit allem voran die CO2-Abgabe, die gemeinhin als das wirksamste und fairste Instrument hierfür gilt. Nur, wie genau gestaltet man diese Abgabe und welche Methoden der Bemessung gibt es?

Zum einen beziffern wir die sogenannten Klimaschadenskosten: Welche Naturkatastrophen, welche Schäden verursacht der Klimawandel und was bedeutet das umgelegt auf eine Tonne CO2? Man kann sich vorstellen, dass diese Abschätzung alles andere als trivial ist, dementsprechend viele unterschiedliche Studien gibt es hierzu. Das deutsche Umweltbundesamt ermittelte für das Jahr 2016 einen Satz von 180 Euro/t und 205 Euro/t für das Jahr 2030 (194 bis 220 CHF/t, zur Studie). Bei der Einschätzung der Schäden wurde allerdings davon ausgegangen, dass es der Weltgemeinschaft gelingt, die Erwärmung bei maximal zwei Grad einzudämmen. Gelänge das nicht, lägen die Kosten (viel) höher. Eine Steuer in Höhe der verursachten Kosten könnte jedenfalls direkt für die Behebung der Schäden verwendet werden. Bezahlen müsste somit nicht die Allgemeinheit, sondern die Verursacher der Schäden – so weit, so fair.

Zum anderen werden CO2-Vermeidungskosten berechnet: Was kostet es beispielsweise, die Emissionen eines Verbrennungsmotors zu vermeiden, indem stattdessen ein (derzeit noch teureres) Fahrzeug mit Elektromotor zum Einsatz kommt? Diese Werte variieren in Abhängigkeit der Technologie sehr stark. Vielfach können heute schon negative Vermeidungskosten ausgewiesen werden – zum Beispiel beim Ersatz von Glühlampen durch LED-Leuchten, aber auch bei den Mehrkosten für ein gut gedämmtes Gebäude. In diesem Fall spart man sich mehr Geld, als man ausgegeben hat, wenn man Emissionen vermeidet. Um die globale Erwärmung zu stoppen, müssen aber auch weniger wirtschaftliche Massnahmen (z.B. der Aufbau einer Speicherinfrastruktur für eine Stromversorgung mit 100% Erneuerbaren) ergriffen werden, die Kosten hierfür können bei mehreren Hundert oder sogar Tausend Euro liegen [selbe Studie]. Je höher der Steuersatz, umso mehr (umso aufwendigere) Klimaschutzmassnahmen lohnen sich. Und umso schneller wird die Erwärmung eingedämmt. Hier ist somit nicht Fairness Ausgangspunkt für die Steuer, sondern der Lenkungseffekt.

Mit Blick auf die CO2-Vermeidungskosten gilt: je niedriger der Steuersatz, umso grösser die Erwärmung.

Mit Blick auf die Klimaschadenskosten gilt: Je grösser die Erwärmung, umso höher der Steuersatz. Mit anderen Worten: Was wir heute nicht investieren, kommt uns in sehr naher Zukunft sehr teuer zu stehen.

In der Schweiz bearbeitet das Parlament aktuell ein CO2-Gesetz, siehe Kolumne «CO2-Gesetz: … eine Kunst, die niemand kann.»

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