Portrait Christof Drexel

Frischer Wind?

Kolumne von christof drexel, 29.10.2019

Die Schweiz hat also gewählt, die beiden «Grünparteien» sind die grossen Gewinner. Darf man nun einen frischen Wind erwarten? Potenziale gäb’s ja genug.

Um beim Thema Wind zu bleiben: Die Windenergie fristet in der Schweiz noch ein Schattendasein. Gerade mal 75 Megawatt (MW) beträgt die installierte Leistung. Zum Vergleich: Die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern bringen es auf 1600 bzw. 2500 MW; Österreich hat gar schon 3000 MW installiert – und deckt damit immerhin schon mehr als fünf Prozent des Strombedarfs. Die Schweiz hat genug Wasserkraft? Sicher viel; viel mehr als Deutschland. Aber es steckt auch noch viel Gas und Kohle – und vor allem Atomenergie – in jeder Kilowattstunde, zumindest in jeder importierten. Und in Österreich liegt der Wasserkraft-Anteil sogar noch höher. Da Windkraftanlagen im Winterhalbjahr mehr liefern als im Sommer, stellt diese Energieform eine ideale Ergänzung zur Wasserkraft dar. 

Woran liegt es also? Wind gibt es genug, das zeigen die wenigen Anlagen, die längst erfolgreich in Betrieb sind. Zu viel Flächenverbrauch? Wohl kaum, die Wind-Grossmacht Deutschland verbaute gerade einmal 100 km² mit Windkraftanlagen. Demgegenüber steht ein Flächenverbrauch von 2300 km² für den Braunkohleabbau, hierfür wurden sogar Tausende Menschen umgesiedelt. Die von Windparks beanspruchten Flächen können grösstenteils für ihren ursprünglichen Verwendungszweck – in der Regel landwirtschaftlich – genutzt werden. Auch der Vogelschutz zieht als Argument nicht: Wie eine Studie aus den USA (nach China übrigens Wind-Macht Nr. 2 der Welt) zeigt, stellen Gebäude, insbesondere Glasflächen die grösste Gefahr für die gefiederten Freunde dar. Gefolgt von Katzen (!) und Stromleitungen. Nur 0,02 Prozent der Vögel verenden an Windkraftanlagen. Und klimatechnisch hält die Windenergie locker mit der Wasserkraft mit: Die umgelegten CO2-Emissionen liegen zwischen 10 und 20 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde (Die Photovoltaik kommt auf 50–90 Gramm, fossile Stromerzeugung gibt’s ab 400 Gramm aufwärts).

Bleibt wohl nur noch der Landschaftsschutz als Argument: Und über Schönheit kann man bekanntlich streiten. Windräder müssen nicht allen gefallen. Wer sich aber aus ästhetischen Gründen gegen Windenergie wehrt, findet entweder AKWs, Kohletagebau und Gaskraftwerke schöner, oder er geht davon aus, dass der Elektrizitätsbedarf in Zukunft stark schrumpfen wird. Beides halte ich für unrealistisch. 

Artikel teilen

Kommentare

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht publiziert.

weitere artikel

12.11.2019

Sieben Kilometer

Kolumne von Christof Drexel

15.10.2019

Big Picture Klima

Kolumne von Christof Drexel