6_ewz_kleinEin ungewöhnliches Lichtspektakel in Zürich-Nord beim Unterwerk und Netzstützpunkt von ewz leuchtet nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr: Die multimediale Installation des Künstlers Yves Netzhammer.

Gerade in den Wintermonaten lohnt sich ein Spaziergang wegen dem frühen Eindunkeln besonders, um die eindrucksvollste Wirkung des multimedialen Werkes «Der gefangene Floh» von Künstler Yves Netzhammer beim ewz-Unterwerk in Zürich-Oerlikon zu erleben. Der seltsam anmutende Titel der Installation spielt mit hintergründigem Witz auf die unterschiedliche Bedeutung in der deutschen Sprache mit Gross- und Kleinschreibung an («Der Gefangene floh. – Der gefangene Floh»).

Lichterspiel vom Guckkasten aus

Yves Netzhammer hat für das 2015 fertig gestellte neue ewz-Unterwerk eine komplexe Rauminstallation aus Spiegeln, Zeichnungen, Licht und Sprache entwickelt. Er nutzt dafür die architektonische Erschliessung des Unterwerks, die es den Passantinnen und Passanten ermöglicht, durch eine Art Guckkasten die Maschinen der Elektrizitätsgewinnung zu sehen. Der Künstler verwandelt den Innenraum in ein vielschichtiges, sich stets wandelndes Universum: Decke und Wände sind mit Spiegelfolie ausgekleidet, direkt auf die spiegelnden Oberflächen sind Friese mit erzählerischen Zeichnungen angebracht. Der Innenbereich ist mit einem Raster aus Leuchten strukturiert, die das Unterwerk in verschiedene Lichtsituationen eintauchen lässt. Die Lampenaktivität ist gekoppelt mit einer Toninstallation, die im Aussenbereich direkt vor dem Guckkasten zu hören ist.

Architektur, Schaltanlage und Installation werden Eins

Das Schaufenster ins Innere des Unterwerks erinnert an Guckkästen, wie sie im 18. Jahrhundert aufgekommen sind. Es handelt sich dabei um jene Apparaturen, die perspektivische Ausblicke von ungeahnter Tiefe auf ferne Welten ermöglichten, zusätzlich verstärkt durch die Kommentare eines Vorführers. Ähnlich wie bei den Guckkästen werden auch bei Netzhammer die Spiegelungen und virtuellen Bilder durch einen metaphorischen Text poetisch aufgeladen.

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Dieser dringt aus den Lautsprechern, die an der Fassade und im Innenraum positioniert sind. «Der gefangene Floh» ist eine Textarbeit des Künstlers, inspiriert von «Morels Erfindung». Im 1940 veröffentlichten Roman des Argentiniers Adolfo Bioy Casares, lässt der Autor den Ingenieur Morel auf einer einsamen Insel eine Maschinerie erfinden, welche die Aufnahme und Wiedergabe in dreidimensionaler Form ermöglich. Er nimmt Kontakt mit den daraus entstehenden fiktiven Figuren auf und verstrickt sich immer mehr im virtuellen Netz, bis er schliesslich selbst im Cyberparadies aufgeht, das Ewigkeit verspricht. Mit seinen Eingriffen gelingt es dem Künstler, Architektur, Schaltanlage und Installation unauflösbar zu verflechten und in ein gigantisches Wahrnehmungslabyrinth zu verwandeln.

Lassen Sie sich verzaubern und tauchen sie in eine Welt ein, in der Fiktion und Technik miteinander verschmelzen.

Wenn Sie das Unterwerk von innen anschauen möchten, bietet ewz Ihnen auch gerne eine Führung an. Zur Anmeldung.

 

 

Angaben zum Kunstwerk
Yves Netzhammer
«Der gefangene Floh», 2015
Spiegel, Leuchten, Zeichnungen und Sprache
Dauer des Textes: 20min., Loop, Wiederholung jede Stunde

Spiegelkonstruktion: Alluvial, München
Programmierung: Bernd Schurer
Sprecher: Samuel Streiff