Eindrücklich in ihrer Wirkung, sehr sparsam im Verbrauch – Die Weihnachtsbeleuchtung «Lucy» an der Bahnhofstrasse.

Eindrücklich in ihrer Wirkung, sehr sparsam im Verbrauch – Die Weihnachtsbeleuchtung «Lucy» an der Bahnhofstrasse.

 

Heinz Brandenberger ist Abteilungsleiter für den Bereich elektrische Anlagen bei Kummler+Matter. Die Unternehmung ist zuständig für die Montage und Demontage der Weihnachtsbeleuchtung Lucy an der Bahnhofstrasse in Zürich. Wir haben bei ihm nachgefragt, was es alles braucht, um die Weihnachtsbeleuchtung in Betrieb zu nehmen und wie energieeffizient «Lucy» ist.

Welche Vorkehrungen muss Ihr Unternehmen treffen, um die Weihnachtsbeleuchtung betriebsbereit zu machen?

Zuständig für die Montage der Weihnachtsbeluchtung: Heinz Brandenberger, Abteilungsleiter für Elektrische Anlagen bei Kummler+Matter.

Ist für die Montage der Weihnachtsbeleuchtung zuständig: Heinz Brandenberger, Abteilungsleiter Elektrische Anlagen bei Kummler+Matter.

Die Vorbereitungen für die Weihnachtsbeleuchtung beginnen bereits Anfang des neuen Jahres, also dann, wenn die Beleuchtung noch hängt. Kurz vor der Demontage laufen wir die Beleuchtungseinheiten ab und notieren für die Revision den Bestand der defekten LED-Leuchten. Jährlich revidieren wir rund einen Drittel der Beleuchtung, was rund 110 Girlanden entspricht. Diese erfolgt in der Regel zwischen April und Oktober. Danach planen wir die Montage. Die Installation ist immer in der letzten Oktoberwoche vorgesehen, so dass wir genügend Reservezeit einberechnen können, damit wir dann rechtzeitig für den Einschalttermin zu Beginn des sogenannten «Night Shoppings» der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse bereit sind. Für die Montage sind wir mit sechs Hubkranfahrzeugen mit Arbeitsbühnen vor Ort, wo wir zwischen 21.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens im Einsatz sind. Da wo wir das Tramtrassee dafür beanspruchen, können wir erst um 01.00 Uhr beginnen, nach Betriebsschluss der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Dies ist durchaus eine logistische Herausforderung, die neben einer minutiösen Planung auch eine gut eingespielte Truppe an Elektromontage-Fachkräften benötigt. Vor Ort haben wir 334 Kisten mit Material, welche alle zur rechten Zeit am richtigen Ort abgeladen werden müssen.

Das klingt nach einer Herkulesaufgabe. Können Sie uns sagen, was eine solche Installation an Arbeitsstunden und Personal benötigt?

Logistische Meisterleistung: Mit bis zu sechs Hebebühnen wird die gut einen Kilometer lange Strecke mit rund 23‘000 LED-Leuchten bestückt.

Logistische Meisterleistung: Mit bis zu sechs Hebebühnen wird die gut einen Kilometer lange Strecke mit rund 23‘000 LED-Leuchten bestückt.

Wir rechnen jeweils mit 850 Arbeitsstunden für Montage und Demontage. Also etwa 570 Stunden für den Aufbau und ca. 280 für den Abbau. Dabei sind wir mit zwei Bauleitenden und sechs bis acht Montagearbeitenden mehrere Nächte im Einsatz. Alle unsere Mitarbeitenden verfügen über einen Fahrausweis für Hubkranfahrzeuge, damit können unsere Fachkräfte sowohl die schweren Fahrzeuge lenken als auch die Elektroarbeiten vornehmen. Somit sparen wir nicht nur Personal, sondern können auch auf qualifizierte Mitarbeitende zurückgreifen.

Der Aufbau von Lucy findet ja auf der von Menschen und Trams hoch frequentierten Bahnhofstrasse statt. Gibt es bestimmte Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen werden müssen?

Aus sicherheitstechnischen und betrieblichen Gründen arbeiten wir nur nachts. Zudem sind unsere Geräte an den Fahrwerken mit einer speziellen Isolation versehen, die bis zu 1000 Volt Spannung aushält. Nichtsdestotrotz sind diese Arbeiten nur bei vollster Konzentration auszuführen, da wir rund 20 Meter über der Strasse und zehn Meter über der öffentlichen Beleuchtung operieren, wobei wir uns mit Bäumen, Fahnentragseilen und den Fahrleitungen der VBZ arrangieren müssen. Das ist äusserst anspruchsvoll. Hierfür setzen wir nur ausgewiesene Fachkräfte mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis ein und sehen von ungelernten Hilfskräften ab. Weiter stellen wir die Arbeiten von Freitag- bis Montagnacht ein, da in Zürich schlicht und einfach zu viele Nachtschwärmer unterwegs sind (lacht).

Wie energieeffizient ist die Zürcher Weihnachtsbeleuchtung und worauf wird dabei besonders geachtet?

Arbeiten in luftiger Höhe: Die Montage findet auf rund 20 Metern Höhe und über der öffentlichen Beleuchtung statt.

Arbeiten in luftiger Höhe: Die Montage findet auf rund 20 Metern Höhe und über der öffentlichen Beleuchtung statt.

Im Vergleich zu den früheren Weihnachtsbeleuchtungen ist Lucy rekordeffizient. Der Baldachin welcher von 1971 bis 2004 ganze 33 Jahre im Einsatz war, hatte rund 300 Kilowatt (kW) Leistung. Der bei den Stadtzürchern eher umstrittene Nachfolger «The World`s Largest Timepiece» benötigte noch ca. 6 kW. bei Lucy sind es etwa 3 kW, was einem Betrieb von ca. eineinhalb herkömmlichen Staubsaugern entspricht. Also hundertmal weniger als der Baldachin verbrauchte. Zu diesem hervorragenden Wert trägt natürlich auch die Art der Beleuchtung bei. Der «Glitzereffekt» entsteht, indem die LED-Leuchten nicht immer voll strahlen. Die Leuchtkraft variiert zwischen 20 und 100 Prozent, was den Stromverbrauch deutlich verringert. Wenn Sie mir noch eine wichtige Schlussbemerkung erlauben: Für die Kosten der Montage und des Betriebs kommt die «Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse» auf, also die Gewerbetreibenden und Geschäfte an der Bahnhofstrasse und nicht – wie landläufig immer wieder behauptet wird – die Stadtzürcher Steuerzahlenden.

Facts zu «Lucy».

Leuchtkörper:
11‘000 Kristalle mit Prismen, die für die gleichmässige Lichtreflektion auf allen Seiten sorgen.
23‘000 LED-Leuchten hängen an den Girlanden

Kabelmenge:
2‘100 Meter Elektrokabel für die Stromversorgung der Girlanden
1’400 Meter BUS – Kabel für die Steuerung der Weihnachtsbeleuchtung

Gewicht und Masse:
1’050 Meter langes Bauwerk (Bahnhofplatz bis Bürkliplatz):
12’000 Meter Stahlseile (Längs- und Querseile)
110 Tonnen Zugkraft auf den Längsseilen
15 Kilonewton (kN) Gewicht (Windlasten und Eigengewicht)
250 Maueranker zur Befestigung an den Wänden
17 bis 24 Meter befindet sich die Montagehöhe des Seiltragwerks über den Tramgleisen

Gegebenheiten:
Die durchschnittliche Breite der Strasse beträgt 25 Meter, dazu säumen 188 Bäume die Bahnhofstrasse.