Porträt

Vom Abenteuer zur Mission.

Das Abenteuer ist für Bertrand Piccard kein spektakulärer Akt, es ist eine Geisteshaltung. Er plädiert für Mut statt Angst, wenn es um Unbekanntes geht. Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem aktuellen Vorhaben.

 

Im Vordergund der Genfersee, dahinter die Alpen - Bertrand Piccard hat eine herrliche Aussicht, wenn er in seiner Lausanner Praxis ist. Hier hat er sich vor zwölf Jahren als Psychiater und Psychotherapeut selbstständig gemacht.


artikel_1_opt.jpg Seine Bekanntheit setzt Bertrand Piccard ein, um in der Welt etwas zu bewegen.

 

Heute ist er nicht mehr oft an der Avenue de Florimont anzutreffen, denn in seinem Leben hat sich inzwischen etwas grundsätzlich geändert: Piccard ist prominent geworden. Mit seinem Nonstop-Ballonflug rund um den Globus. Das war 1999.

 

Geld verdient der 50-jährige seither mehr als Redner denn als Therapeut. Unter Arbeitstiteln wie «Abenteuer - eine Geisteshaltung» plädiert er vor Bankern, Ärzten und Politikern für Neugier und Mut statt Angst und Abwehr wenns um Unbekanntes geht. Die Botschaft passt auch zu seinem aktuellen Vorhaben: Piccard will die 40000 Kilometer um die Welt in einem Solarflugzeug absolvieren, ohne einen Tropfen Kerosin.

 

Piccard.flv

Bertrand Piccard fragt sich jeden Morgen, wie er den neuen Tag interessant gestalten kann. Mehr über die Motivation des Pioniers im persönlichen Video.

 

Mit dieser Weltpremiere jagt er nicht einfach nach einem weiteren Rekord, sondern hat eine Mission: «Ich will meine Bekanntheit nutzen, um in der Welt etwas zu bewegen», sagt er. Konkret: Piccard will Wirtschaft und Gesellschaft bezüglich erneuerbare Energien auf neue Gedanken bringen. Der Grund? «Die drohende Erdölknappheit wird vor allem als Gefahr gesehen, statt als Chance, um neue Produkte und Technologien zu entwickeln und damit Märkte der Zukunft zu erschliessen.»

 

Die Idee mit Solarenergie zu fliegen, ist nicht neu und nicht von ihm. Solche Maschinen gibt es bereits. Aber sie funktionieren nur tagsüber und nur bei schönem Wetter. «Bislang sind vor allem die Grenzen der Sonnenenergie bekannt, nicht aber deren Potenzial», sagt Piccard. Mit seiner Weltumrundung will er beweisen, dass erneuerbare Energien viel mehr können, als bis jetzt angenommen - wenn die Technologie dafür erfunden ist.

 

Läuft es nach Plan, wird er Anfang 2009 zum ersten Solar-Impulse-Testflug starten. Gelingt es, 36 Stunden oben zu bleiben? Wenn ja, dann wird seine Crew aus 50 Spezialisten Solarimpulse Nummer Zwei bauen. Damit will Piccard zuerst über den Atlantik und dann um die Welt fliegen. Dass er das Abenteuer «Erdumrundung mit Sonnenenergie» schafft, weiss Piccard. Gelingt auch die Mission, mit seinem Projekt etwas zu bewegen? Piccard überlegt lange, bevor er antwortet: «Normalerweise warten die Menschen mit Veränderungen, bis es zu spät ist», sagt er, lässt den Blick über Genfersee und Alpen schweifen und fügt an: «Aber vielleicht gelingt diesmal eine Ausnahme.»

 

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1 Kommentare

  • Heinz Weber

    Ich durfte mit Bertrand Piccard einmal in Walzenhausen ganz persönlich und nur unter uns mehr als ein Stunde lang sprechen. Der Mann ist bescheiden und strahlt Glaubwürdigkeit aus. Er schafft es, nicht des Ruhmes willen, sondern aus Überzeugung. Er macht allen Mut, das Mögliche zu machen und für Ziele zu arbeiten, auf die nicht gerade jedermann auf Sieg wetten würde. Von dem Treff zehre ich heute noch.

    07.04.08, 23:11

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