Multi-Energy-Hubs, die Zukunft der Energieversorgung?

David Grosspietsch forscht an der ETH Zürich in der Gruppe für Nachhaltigkeit und Technologie zu Multi-Energy-Hubs. ewz hat mit ihm gesprochen.

Energieautarkes Mehrfamilienhaus – ein Projekt der Umwelt Arena Spreitenbach

 

fannyfreiDavid, du forschst für deine Dissertation an Multi-Energy-Hubs, was ist das eigentlich?
Der Begriff «Energy Hub» entstand 2007 in einer anderen Forschungsgruppe der ETH und steht für eine Methode zur Optimierung von Energieflüssen. Wenn wir von Multi-Energy-Hubs sprechen, meinen wir dezentrale Energiesysteme, die mit erneuerbarer Energieproduktion ausgestattet sind, verschiedene Energieträger wie beispielsweise Strom, Wärme oder Wasserstoff kombinieren sowie Umwandlungs- und Speichertechnologien beinhalten.

Was heisst das konkret?
Das kann zum Beispiel ein Gebäude oder ein Zusammenschluss mehrerer Gebäude sein, bei dem ein grosser Teil des Energieverbrauchs mit eigener lokaler Produktion gedeckt und zusätzlich die Flexibilität der eigenen Speicher und die Umwandlung von Energieträgern wie power-to-heat oder power-to-gas genutzt wird.

Gibt es so etwas denn bereits?
Ja, allein in der Schweiz gibt es mehrere Beispiele. Diese reichen vom Einfamilienhaus bis zum Industrieareal. Beispielsweise wird das Mehrfamilienhaus der Walter Schmid AG in Brütten noch dieses Jahr in Betrieb genommen (Anmerkung der Redaktion: Walter Schmid ist Gründer von Kompogas und der Umweltarena). Dort wird die Stromversorgung unter anderem durch eine Fotovoltaikanlage sichergestellt. Über einen Elektrolyseur kann der Strom in Wasserstoff umgewandelt werden und mit Hilfe einer Brennstoffzelle können zu einem späteren Zeitpunkt daraus wieder Strom und Wärme erzeugt werden. Der Strom kann mit einer Wärmepumpe effizient in Wärme umgewandelt werden. Ausserdem ist dieser Multi-Energy-Hub mit einer Batterie als Stromspeicher, mit einem Wasserstofftank zur Speicherung des Wasserstoffs und mit einem thermischen Speicher zur Speicherung von Wärme ausgestattet. In diesem speziellen Fall reicht das sogar soweit, dass das Gebäude komplett autark versorgt wird und nicht einmal mehr über einen Netzanschluss verfügt.

Glaubst du, dass das die Zukunft der Energieversorgung wird?
Soweit würde ich nicht gehen. Aber die Vorteile sprechen für sich. Zum Beispiel kann eine hohe Eigenverbrauchsquote die Energiekosten trotz hoher Anfangsinvestitionen senken. Oder die Speicherung und Umwandlung von Energie kann dazu genutzt werden, Leistungsspitzen zu glätten. Die dazugewonnene Flexibilität im Niederspannungsnetz kann auch dazu beitragen, Netzausbauten zu verhindern. In Zukunft kann man sich ebenfalls die Integration von Mobilität und das Bereitstellen weiterer Dienstleistungen wie zum Beispiel Regelenergie vorstellen. Letztlich hängt die Wirtschaftlichkeit natürlich aber auch wesentlich an den politischen Rahmenbedingungen und der Entwicklung der Technologiekosten.

«Die Förderung von Multi-Energy-Hubs bietet nebenden Risiken auch klare Chancen für Unternehmen wie ewz.»

Wie sind denn Energieunternehmen wie ewz von dieser Entwicklung betroffen?
Für Verteilnetzbetreiber könnte das bedeuten, dass in Zukunft weniger Anschlüsse benötigt werden oder bestehende Netzkapazitäten unregelmässig genutzt werden. In einer solchen Situation muss man sich überlegen, wie man die Verfügbarkeit der Netzinfrastruktur zukünftig bepreisen beziehungsweise verrechnen möchte. Im Bereich des Energievertriebs ist davon auszugehen, dass sich in solchen Gebäuden oder Arealen durch die Zunahme der Selbstversorgung die Energielieferung verringert. Ausserdem werden sich typische Lastprofile verändern. Ich sehe neben den Risiken aber auch klare Chance für Unternehmen wie ewz.

Kannst du das konkretisieren?
Bei einer Verbreitung solcher Multi-Energy-Hubs werden zunehmend Fähigkeiten gefragt sein, diese Systeme zu entwickeln, zu poolen und wirtschaftlich zu betreiben. Zum Beispiel muss man sich ständig fragen, ob man die verfügbare Kapazität am Energie- oder Regelnenergiemarkt anbietet oder lieber selbst in Anspruch nimmt. Dafür sehe ich Energieunternehmen wie ewz in einer guten Ausgangslage, weil sie dabei auf bestehende Kompetenzen zurückgreifen können.

 

Energy Hubs bei ewz.
ewz setzt bereits in zwei Pilotprojekten das Energy-Hub-Konzept in die Praxis um. Im WarmUp-Projekt wird die
thermische Speicherkapazität von Gebäudemasse und Boilern als Puffer genutzt, um den Stromverbrauch von Wärmepumpen
flexibel zu steuern. Durch die intelligente Vernetzung von mehreren Wärmepumpen entsteht ein Anlagenpool, der Flexibilität
fürs Verteilnetz und für den Strommarkt bereitstellen kann. Im Pilotprojekt BESS DORA hat ewz den grössten Batteriespeicher
der Schweiz erstellt. Dieser speichert überschüssigen Solarstrom in einer ABZ-Siedlung in Zürich-Affoltern und entlastet
gleichzeitig das Verteilnetz. Zudem hat unser Research Team den Auftrag, aktuelle Technologieentwicklungen zu beobachten.
Hierfür steht es auch in regem Austausch mit der Wissenschaft, beispielsweise mit der ETH Zürich.

Die smarte Homestory mit Harry.

, von 2 Kommentare

Smart Home – das intelligente Haus. Jeder hat schon davon gehört. Doch wie lebt es sich im Haus der Zukunft? Wir haben dem Smart-Home-Bewohner und Leiter der Unternehmenskommunikation bei ewz, Harry Graf, ein paar Fragen gestellt.

Smart HomeWas bedeutet Smart Home eigentlich?
Von einem Smart Home spricht man insbesondere, wenn sämtliche Systeme wie Heizung, Belüftung, Beleuchtung, Sicherheitstechnik, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik miteinander vernetzt sind und so ein «intelligentes» Zuhause schaffen. Im intelligenten Haus werden alle «smarten» Geräte über eine Zentraleinheit überwacht und gesteuert. Der Zustand lässt sich jederzeit und von überall über Smartphone, Tablet-PC und Computer überprüfen. Im Mittelpunkt stehen die Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität, Sicherheit und effizienter Energienutzung.

Wie beschreibst du dein Wohnerlebnis im intelligenten Haus? Wie vereinfacht dir das intelligente Haus deinen Alltag?DSC00256
Das Geniale ist, dass man die intelligente Steuerung nicht sieht. Im Keller hat es ein kleines Kästchen, den SmartHomeController, der an der Internet-Box angeschlossen ist. Die Befehle werden an alle Geräte oder von den Tastern im Haus per Funk übertragen. Nach erfolgreicher Übermittlung schaltet sich das Funknetz automatisch wieder aus. Somit stören keine technischen Installationen unser Wohnerlebnis. Wenn wir nach Hause kommen, müssen wir auf dem Weg in die Küche nicht immer wieder die Einkaufstaschen abstellen und die Lichtschalter betätigen. Das System weiss bereits im Eingangsbereich, dass wir jetzt Richtung Küche unterwegs sind. Wenn wir ein paar Tage abwesend sind, dann heizt das System unsere Räume auf den richtigen Zeitpunkt hin auf, damit wir es optimal warm haben. Falls wir einen Tag länger abwesend sind oder früher zurückreisen, dann können wir das auch bequem über das iPhone regeln.

«Die Energieeffizienz wird erhöht. Mit den Massnahmen haben wir gegenüber den Vorjahren 20% weniger Strom benötigt und 25% weniger Erdgas verbraucht.»

Wird der Komfort und die Energieeffizienz erhöht?
Die Energieeffizienz wird erhöht. Mit den Massnahmen haben wir gegenüber den Vorjahren 20% weniger Strom benötigt und 25% weniger Erdgas verbraucht. Das Komfortempfinden wird klar gesteigert. Vom Relaxsessel aus können wir die Lichtszenen per Fernbedienung abrufen oder alle Geräte manuell bedienen. Falls trotzdem irgendwo ein Licht brennt, kann dieses bequem gelöscht werden. Das Tolle am System ist, dass es beliebig ausgebaut werden kann. Da ich gerne tüftle und programmiere, kann es sein, dass ich noch weitere Geräte oder Beleuchtungskörper anschliesse. Es kommt auch vor, dass ich einem Taster eine neue Funktion zuordne oder beim Saisonwechsel bemerke, dass ich noch eine Funktion exakter programmieren muss. Beim Bedienen über die App gibt es zwei Anzeigevarianten, eine Anwender- und eine Profiversion. So kann jeder das nehmen, was für die tägliche Nutzung am einfachsten ist.

Smarthome Wohnzimmer

«Bei einer Prosumerlösung mit einer eigenen Solarstromanlage oder wenn individuelle Stromtarife eingeführt werden, kann ich mir die Integration in das Smart-Home-System vorstellen.»

Was hast du bei dir alles automatisiert?Smarthome Fenster
Heizung, Heizköper, Rollläden, Lampen, Radio, Fernseher, Brunnen, Wintergarten sowie PC und Drucker sind am Smart-Home-System angeschlossen. Bewusst nicht angeschlossen haben wir Backofen, Kaffeemaschine, Waschmaschine, Sauna und Geschirrspüler. Bei einer Prosumerlösung mit einer eigenen Solarstromanlage oder wenn individuelle Stromtarife eingeführt werden, kann ich mir die Integration in das Smart-Home-System vorstellen. Den Geschirrspüler kann ich am Gerät selber programmieren. So bin ich auch sicher, dass das Spülmittel aufgefüllt und die Türe geschlossen ist. Bei der Sauna möchte ich vor dem Einschalten kurz in den Innenraum blicken und mich vergewissern, dass keine Handtücher auf dem Ofen liegen und somit keine Brandgefahr besteht. Die Kaffeemaschine heizt so rasch auf, dass ein Vorheizen nicht notwendig ist. Und den Backofen will ich nicht fernsteuern. Soll ich bereits am Morgen das Nachtessen in den Ofen schieben, damit dieser am Abend das Gericht kocht oder aufwärmt? Ich will nicht bereits am Morgen entscheiden, was ich am Abend essen muss.

Wie sieht dein Alltag aus? Geht am Morgen die Kaffeemaschine automatisch an und die Rollläden gehen hoch?
Vieles geht automatisch, je nach Tageszeit, Wochentag, Saison oder Helligkeit. Bei Tagesanbruch öffnen sich die Rollläden aller Zimmer, ausser Schlaf- und Badezimmer. In diesen beiden Räumen öffnen wir die Rollläden manuell, denn wir lassen uns das Aufstehen nicht von der Technik vorschreiben. Im Winter schaltet sich die Heizung rechtzeitig ein, damit es am Morgen im Badezimmer angenehm warm ist. Auch können wir in den einzelnen Zimmern die Temperatur automatisch oder manuell regeln, damit wir nicht unnötig heizen. Wenn im Sommer die Sonne die Zimmer extrem aufheizt, dann schliessen sich die Rollläden, damit es angenehm kühl bleibt.

 

 

 

Wie trägst du mit deinem «intelligenten Haus» zur Energieeffizienz bei?
Wir lassen uns vom Prinzip leiten, den Energieverbrauch wo möglich zu vermeiden, so gut als möglich aber zu senken und den effektiven Verbrauch mit ökologisch produzierter Energie zu decken. Der Grund, die Rollläden zu automatisieren, war die Senkung des Wärmebedarfs. Im Winter isolieren die geschlossenen Rollläden die Räume zusätzlich. Die Fenster sind zudem mit den Heizkörpern gekoppelt. Sobald ein Fenster geöffnet wird, schaltet der betreffende Heizkörper automatisch ab. Wenn es wieder geschlossen wird, schaltet er sich kurz darauf wieder ein. Im ganzen Haus haben wir LED oder dimmbare Stromsparlampen. So können wir die Lichtstärke nach unseren Bedürfnissen einstellen und verschiedene Szenen programmieren. Über das iPhone-App oder die örtlichen Fernbedienungen können wir die verschiedenen Szenarien (inklusive Musik) abrufen. Die Lampen sind nicht mehr fix einem Schalter zugeordnet, sondern pro Lichtschalter können verschiedene Lampen und Geräte individuell zugeordnet werden. Die Schalter können wir irgendwo im Haus anbringen, denn sie brauchen keinen Stromanschluss. Wenn wir das Stockwerk wechseln, schalten sich die Lampen vor uns ein und nach einer gewissen Zeit wieder automatisch aus. Wenn wir auf dem Gartensitzplatz mit dem Laptop arbeiten, können wir den Drucker im Obergeschoss oder das WLAN oder das Radio ein- und ausschalten. So sind die benötigen Geräte nur dann in Betrieb, wenn sie auch genutzt werden. Standby gibt es bei uns nicht.

 

 

Harry Graf ist Leiter Unternehmenskommunikation bei ewz.

Wie Gebäude zur Energiewende beitragen können.

, von Keine Kommentare

Auf die Frage, wo bei Gebäuden vermehrt Energie eingespart werden könnte, würde eine Mehrheit der Befragten als Antwort «PV-Anlagen auf den Dächern» oder «gut gedämmte Wände» geben. Das visionäre Projekt von ewz-WarmUp geht einen Schritt weiter. Dabei werden bestehende Wärmepumpen, die bereits heute den Energiecontracting-Kundinnen und -Kunden von ewz effizient und ökologisch produzierte Wärme und Kälte liefern, neu im WarmUp-Projekt miteinander verbunden und flexibel gesteuert.

BESS- Pilotprojekt Batteriespeicher

BESS- Pilotprojekt Batteriespeicher

Darüber hinaus können diese Wärmepumpen mit erneuerbaren Energien wie Solaranlagen vernetzt und so bei starkem Sonnenschein und hoher Solarstromproduktion automatisch eingeschaltet werden, womit der Warmwasserboiler mit Solarenergie geladen wird. Damit profitieren die ewz-Kundinnen und -Kunden von WarmUp, indem ihre Wärmepumpen dank der Berücksichtigung von Wetterprognosen vorausschauend und intelligent betrieben werden.

Doch diese WarmUp-Plattform leistet zudem einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit des Schweizer Stromsystems: Wenn nämlich mehrere Wärmepumpenanlagen und umweltfreundliche Stromerzeugungsanlagen miteinander vernetzt werden, kann ewz damit das Gleichgewicht zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch positiv beeinflussen resp. egalisieren.

 

 

WarmUp als Teil des SmartGridRealLab

WarmUp ist derzeit noch in der Pilot- und Demonstrationsphase. Während dieser Zeit werden fünf grössere Wärmepumpenanlagen in die WarmUp-Plattform eingebunden. Liefert das Pilotprojekt erfolgreiche Resultate, können in Zukunft weitere Anlagen von ewz in die WarmUp-Plattform integriert werden.

WarmUp ist Teil des SmartGridRealLabs von ewz, in dem innovative Lösungen für die Energiewende entwickelt und in der Praxis getestet werden. Unter anderem hat ewz in einem Zürcher Quartier den grössten Batteriespeicher der Schweiz installiert. Dieser reagiert ähnlich flexibel wie die Wärmepumpen bei WarmUp auf die schwankende Solarstromproduktion und stimmt diese zeitlich auf den Strombedarf des Quartiers ab.

 

warmup

Angespannte Energie- und Netzsituation in der Schweiz. – Eine Einschätzung von ewz.

, von Keine Kommentare

Anfang Dezember warnte die Netzbetreiberin Swissgrid vor einem Stromengpass im Winter. In einem TV-Beitrag im SRF-Wirtschaftsmagazin «ECO» am 18.01.2016 wurde den Stromproduzenten vorgeworfen, sich nicht marktkonform verhalten zu haben. In der Zwischenzeit hat Swissgrid eine Entspannung der Energie-und Netzsituation festgestellt und am 23. Februar darüber kommuniziert. Wie nachhaltig ist diese Entspannung? ewz nimmt Stellung.

Inwiefern ist bzw. war die von Swissgrid thematisierte angespannte Lage für die Energieproduktion, das Netz und den Handel spürbar?

007242_SchaltanlageMartin Roth, Leiter Energieproduktion: Die von Swissgrid Ende 2015 gemeldete Knappheitssituation im Energie- und Netzbereich hat sich wieder entspannt. Die Energiereserven sind aufgrund der teilweise tiefen Füllstände der Speicherseen zwar immer noch eher tief, nähern sich aber wieder dem langjährigen Mittel an.

Benedikt Loepfe, Leiter Verteilnetze: Wir haben aktiv in der Swissgrid-Task Force der Schweizer Energiebranche (Kraftwerksbetreiber, Verteilnetzbetreiber und Händler) mitgearbeitet. Da aus Sicht Verteilnetze keine speziellen Massnahmen notwendig sind, sind nur wenige Mitarbeitende involviert. Wir verfolgen jedoch die aktuelle Situation permanent, um bei entsprechenden Veränderungen oder Einschränkungen aktiv einzugreifen.

Cédric Aubert, Leiter Energiewirtschaft: Die Verantwortlichen für den Kraftwerkseinsatz und die Speicherseebewirtschaftung waren bei der Swissgrid-Task Force dabei. Dabei ging es primär darum, die Produktionskapazität für die kommenden Monate zu inventarisieren und Massnahmen festzulegen. Zwei Massnahmen wurden beschlossen: einerseits hat Swissgrid für die Monate Februar bis April 2016 Systemdienstleistungen vorzeitig beschafft und andererseits wurden minimale Energiemengen bei ausgewählten Kraftwerken für den Eingriff in den Kraftwerkseinsatz (Redispatch) reserviert.

Wärme und Kälte fürs neue Bettenhaus im Stadtspital Triemli.

Seit 2014 versorgt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) das Stadtspital mit Wärme und seit 2015 mit Kälte. Um die vom Stadtspital benötigte Wärme und Kälte zu produzieren, sind verschiedene Energieerzeugungsanlagen basierend auf Holzschnitzelfeuerungen, Wärmepumpen, Erdsonden, Kältemaschinen sowie Gas- und Ölkesseln notwendig. Grund dafür ist, dass das Stadtspital Wärme und Kälte auf verschiedenen Temperaturniveaus braucht.

Der Kamin – Wahrzeichen der Energieversorgung

Ralph Feiner

Die technischen Prozesse des Spitals erfordern Wärme von bis zu 160°C, beispielsweise für die Sterilisation oder in der Küche. Diese Hochtemperaturwärme wird mit Holzschnitzeln erzeugt und durch Gas und Öl für den Spitzenbedarf ergänzt. Für den Heizbedarf der Bestandsbauten und für die Erwärmung des Brauchwarmwassers wird Mitteltemperaturwärme auf dem Temperaturniveau von 70°C erzeugt, die vorwiegend durch eine Wärmepumpe erzeugt wird.

Die Holzschnitzelfeuerung befindet sich in der unterirdischen Heizzentrale beim Kamin. Die Abgase aus der Verbrennung der Holzschnitzel werden in einem Elektrofilter gereinigt und durch den Kamin abgeführt, der eine Höhe von 46m, einen Umfang von über 16m und ein Gewicht von 140 Tonnen hat. Die Hülle des Kamins zieren 37‘200 Schindeln, die mit 74’000 Schrauben befestigt wurden.

 

Geringer Wärmebedarf fürs Bettenhaus

Das Bettenhaus ist im Standard «Minergie-P-Eco» gebaut und braucht deshalb zur Beheizung lediglich Niedertemperaturwärme bis 38°C. Diese Wärme wird mittels zweier Wärmepumpen erzeugt, deren Energiequelle Erdwärme ist. Dazu stehen zwei Erdsondenfelder mit insgesamt 92 Erdsonden à je 200m bereit, aus denen im Winter Wärme zum Heizen entzogen und im Sommer zum Kühlen wieder eingetragen werden. Da das Bettenhaus ein Minergiegebäude ist, hat es lediglich einen geringen Bedarf an Heizwärme, der sich auf 3 Liter Heizöl pro m2 und pro Jahr beläuft. Zum Vergleich: Konventionelle Neubauten brauchen pro m2 und Jahr rund 5 Liter Heizöl. Aus diesem Grund ist für die Wärmeerzeugung lediglich eine klein dimensionierte Wärme- und Kälteerzeugung notwendig. Die Kühlung der Räume erfolgt im Sommer durch Hochtemperaturkälte von 18°C ohne den Einsatz von Kältemaschinen und lediglich durch direkte Kühlung übers Erdreich mittels der Sondenfelder.

 

Niedertemperaturkälte

Verteilung der Hoch-/ Mittel und der Niedertemperaturkälte.

Niedertemperaturkälte für Maschinen- und Raumkühlung

Das Stadtspital braucht für die Maschinen- und Raumkühlung wie MRI oder Operationssäle Prozesskälte von 10°C. Diese Niedertemperaturkälte wird mit hocheffizienten Kältemaschinen erzeugt und die anfallende Abwärme mittels Wärmepumpe für die Mitteltemperaturversorgung zurückgewonnen.

Wie hoch ist das Risiko einer Malware für ein Blackout?

, von Keine Kommentare

BlackoutIn der Ukraine mussten kurz vor Weihnachten 700‘000 Menschen ohne Strom auskommen. Grund dafür war eine präparierte Word-Datei von Hackern. Ist ein Blackout aufgrund einer Malware auch in der Schweiz möglich? Wir haben unseren IT- und unseren Anlage-Verantwortlichen in Zürich befragt.

Wie kann eine Malware überhaupt ein Blackout herbeiführen?

Gregor Nyffeler: Zuerst muss ich vielleicht kurz definieren, was eine Malware ist. Als Malware bezeichnet man sämtliche Schadprogramme, die entwickelt wurden, um vom Benutzer unerwünschte und gegebenenfalls schädliche Funktionen auszuführen. In der Regel erhalten die User eine präparierte E-Mail mit Anhang– u.a. auch mit gefälschten Absendern die Dringlichkeit und/oder Vertrauen suggerieren –  womit sie dann aufgefordert werden, Programme zu installieren. Wie die «Zeit» ja richtig schreibt, ist BlackEnergy schon länger bekannt und wurde nachweislich auch bei den Wahlen in der Ukraine im Oktober 2015 gezielt eingesetzt, um Medienhäuser anzugreifen. Offenbar wurden die Schadprogramme nun so erweitert, dass diese eine sog. Hintertür (Backdoor) enthalten, die offenbar Dritten einen unbefugten Zugang  zu Industriekontrollsystemen ermöglichen. Industriekontrollsysteme kontrollieren, automatisieren und steuern die  Prozesse und ein unbefugter Zugang ermöglicht somit allenfalls auch einen Eingriff.

Andri Casura: Aus meiner Sicht, – der eines Anlagenbetreibers, – stellen solche Schadprogramme eine grosse Bedrohung dar, und zwar einfach, weil heute jeder E-Mail und Internet omnipräsent nutzt und damit permanent einer Infektion mit Malware ausgesetzt ist. Aber man darf nicht vergessen, dass IT-Security nicht das einzige Risiko darstellt, genauso muss die physische Sicherheit gewahrt werden. Das gerät aufgrund den immer wieder diskutierten Cyberrisiken fast schon vergessen. Es ist kein Problem, Budget für irgendwelche ICT-Securitymassnahmen zu bekommen, wenn aber die physische Sicherheit erhöht werden soll, wird gerne ausgiebig darüber diskutiert.

Was sind die grössten Energieirrtümer? Eine Energieberaterin klärt auf.

, von 3 Kommentare

Iris Hassenpflug, Energieberaterin bei ewz, gibt Einblick in ihre Arbeit, verrät Energiespartipps und deckt die grössten Energieirrtümer auf.

Iris Hassenpflug

Iris Hassenpflug, Energieberaterin bei ewz

Was sind die Hauptgründe, weshalb sich Private oder auch Firmen für eine Energieberatung bei dir entschliessen?
Die Hauptgründe sind eigentlich immer die Kosten. Egal ob Privat- oder Firmenkunden. Beide wollen die Stromkosten senken. Ökologische Beweggründe sind leider eher selten, kommen aber auch vor.

Was sind die grössten Überraschungen, die du erlebt hast?
Einmal kam ein junges Paar, das frisch von zu Hause ausgezogen war. Sie hatten ihre erste Stromabrechnung erhalten und fielen aus allen Wolken, weil die Rechnung so hoch war (ca. das 3-fache eines durchschnittlichen 4-Personen-Haushalts). Im Gespräch kam heraus, dass sie eine grosse Klimaanlage installiert hatten und, weil es so angenehm war, die Dachwohnung im Sommer auf 23° Celsius kühlten. Daneben hatten sie einen grossen Beamer und diverse andere elektronische Geräte, die fast permanent in Betrieb waren. Das Paar hatte keinen Bezug und keine Vorstellung davon, wie viel Strom ein Gerät braucht und was es kostet. Allgemein ist es immer wieder überraschend, wie wenig sich die Kunden mit ihrem Energieverbrauch auseinandersetzen.

«Die meisten Kunden schauen bei der Rechnung nicht auf den Verbrauch sondern auf den Preis. Vergleichbar und aussagekräftig ist jedoch nur der Verbrauch. Zudem sind sich die wenigsten bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten den Stromverbrauch direkt beeinflussen.»
Iris Hassenpflug

Wie gehst du bei einem Vor-Ort-Besuch vor?
Beratungen vor Ort führen wir nur bei Firmen durch. Die Energieberatung beginnt für mich eigentlich schon im Büro. Da analysiere ich erst den Stromverbrauch des Kunden über die letzten Jahre und vergleiche auch das Verhältnis Hoch- / Niedertarif mit den Öffnungszeiten und Geschäftstätigkeiten des Kunden. Das gibt mir erste Anhaltspunkte für Fragen, die ich danach dem Kunden stelle. Vor Ort bespreche ich mit dem Kunden das Vorgehen und erkläre ihm als erstes seine Stromrechnung und dass es für eine Kilowattstunde immer den Verbrauch des Gerätes (Watt oder Kilowatt) und die Nutzungsdauer (Zeit) braucht. Das hört sich jetzt vielleicht seltsam an, aber die meisten Kunden schauen bei der Rechnung nicht auf den Verbrauch sondern auf den Preis. Vergleichbar und aussagekräftig ist jedoch nur der Verbrauch. Zudem sind sich die wenigsten bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten den Stromverbrauch direkt beeinflussen.
Nach dieser kurzen Einführung starte ich  mit der Kundin oder dem Kunden zusammen den Rundgang durch den Betrieb. Dabei schauen wir alle Energieverbraucher (Licht, Geräte, Lüftung, Heizung usw.) an. Wir besprechen die Effizienz, das Nutzerverhalten und das mögliche Sparpotential pro Verbraucher. Dabei ist wichtig, dass der Kunde seinen Einfluss auf das Sparpotential versteht. Zum Schluss bestimmen wir gemeinsam die wichtigsten 3-5 Massnahmen und die nächsten Schritte für den Kunden und für mich als Beraterin.

Welchen Energiespartipp kennen die meisten nicht?
Die Geräte sollten ganz abgeschaltet und Standby verhindert werden. Dieser Tipp gilt sowohl für Privat- wie auch für Firmenkunden. Je nach Situation ist eine Steckerleiste mit Schaltermaus oder eine Zeitschaltuhr passender. Wichtig ist, dass die Installation der Abschalthilfe auf den Kunden angepasst ist und kein Hindernis darstellt. Wir beraten Kundinnen und Kunden diesbezüglich.

Es gibt ja die 10 Lichtlügen. Gibt es noch sonstige Irrtümer, mit welchen du immer wieder konfrontiert wirst?
Ja, Heizen und Lüften ist so ein leidiges Thema. In vielen Wohnungen und Büros sind auch in der kalten Jahreszeit die Fenster gekippt. Dabei hat ein offenes Kippfenster nur Nachteile: Keine effektive Frischluftzufuhr sondern unnötiger Energieverlust (ca. 200l Heizöl pro Fenster und Jahr) sowie Auskühlung der Wände rund um das Kippfenster und dadurch vermehrte Schimmelbildung. Mehrmals täglich für 2-5 Minuten Stosslüften ist das einzig Richtige.

Eine weitere stark verbreitete Irrmeinung ist, dass bei Minergie-Gebäuden die Fenster gar nicht geöffnet werden können. Dabei verbietet Minergie in keinster Weise das Öffnen von Fenstern. Kippen kann man die Fenster meistens jedoch nicht, was auch überhaupt nicht nötig ist.

Dass der Backofen erst vorgeheizt werden muss, bevor der Kuchen oder die Pizza hineingeschoben werden kann, wird leider immer noch von den meisten Menschen angenommen. Hier kommt hinzu, dass in den meisten Koch- und Backrezepten oder auch Gebrauchsanwendungen immer noch das Vorheizen angegeben wird.

 

Möchten Sie eine persönliche Energieberatung? Besuchen Sie uns direkt im Kundenzentrum oder vereinbaren Sie telefonisch einen Termin. Falls Sie nicht wissen, ob sie ebenfalls einem Energieirrtum verfallen sind: posten Sie Ihre Frage hier , wir helfen weiter.

Weitere Energiespartipps gibt es bis am 24.12. auf unserer Facebook-Seite. Zudem gibt es tolle Geschenke zu gewinnen.

PS: Optimieren Sie Ihren Energieverbrauch. Jetzt den Online-Check machen unter www.ewz.ch/energiecheck und Energie sparen.

Besuch aus Fukushima.

, von Keine Kommentare

Fukushima ist seit der Nuklearkatastrophe 2011 weltweit bekannt. Wie die Stadt zukünftig von Kernenergie auf erneuerbare Energie umsteigen will, hat uns der Bürgermeister bei einem Besuch in Zürich persönlich geschildert. Er kam mit einer Delegation von Fachexperten aus der städtischen Verwaltung und der Forschung, um sich über das langjährige energiepolitische Engagement der Stadt Zürich zu informieren.

Für Fukushima steht seit der Nuklearkatastrophe 2011 selbstverständlich die Dekontamination verbunden mit vielen Sicherheits- und Gesundheitsfragen im Vordergrund. Parallel dazu hat die Stadt im Februar 2015 einen Plan zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energie lanciert. Dazu wurde das Ziel einer «self-sufficiency rate» von 50% im Jahr 2040 verabschiedet. Derzeit liegt dieser Anteil bei rund 20%.

Umsetzung und neue Produkte im Vordergrund

Nach einer Einführung in die Energiepolitik der Stadt Zürich, fanden die konkrete Umsetzung in der Stadtverwaltung mit Hilfe des Masterplans Energie, das Konzept Energieversorgung 2050 sowie das neue Beteiligungsmodell ewz.solarzüri das grösste Interesse der Besucher.

Praxisbeispiel Energieverbund Fraumünster

Verbundlösungen basierend auf erneuerbarer Energie und Abwärme statt Einzellösungen von Öl- und Gasheizungen werden die Energieversorgung der Stadt Zürich im Wärme- und Kältebereich in Zukunft prägen. Dass ewz auch hier Vorreiter ist, zeigte Christoph Deiss, a.i. Leiter Energiedienstleistungen, den Besuchern anschliessend am Beispiel des Seewasserverbunds Fraumünster. Der Verbund besteht seit 2006 und heizt und kühlt u.a. das Stadthaus. Derzeit sind sechs weitere Wärmeverbunde auf Stadtgebiet in Planung.

Know-how-Transfer als Beitrag zur internationalen nachhaltigen Entwicklung

Der Empfang der Delegation und der energiepolitische Austausch ist nicht zuletzt ein Beitrag der Stadt Zürich, nachhaltige Entwicklung auch international zu unterstützen. Christina Wandeler, Projektleiterin Aussenbeziehungen bei der Stadtentwicklung, hat die Delegation empfangen. Für sie ist dieses Engagement wichtig, denn: «Im Bereich der Nachhaltigkeit hört die Verantwortung einer Stadt wie Zürich nicht an der Stadtgrenze auf. Mit einem Know-how- Transfer unserer Fachexperten können wir einen wichtigen Beitrag auch für andere Städte mit ähnlichen Herausforderungen leisten.»

Gruppenbild Delegation

Eine Delegation unter Leitung von Kaoru Kobayashi (4.v.l.), Bürgermeister von Fukushima, besuchte Mitte November die Stadt Zürich, um sich über Energiepolitik und Umsetzungsbeispiele zu informieren. Die Delegation wurde empfangen von Christina Wandeler (5.v.l.), Projektleiterin Aussenbeziehungen bei der Stadtentwicklung. Martina Blum (3.v.l.), Fachexpertin Energie beim Energiebeauftragten, und Christoph Deiss (2.v.r.), a.i. Leiter Energiedienstleistungen bei ewz, standen der Delegation für fachliche Fragen Rede und Antwort.

 

Was bedeutet «Energieneutrale Veranstaltung» ?

, von Keine Kommentare

Die Nachhaltigkeit grösserer Veranstaltungen rückt immer stärker ins öffentliche Bewusstsein. Veranstaltungen können hohe Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft aufweisen. ewz hat ein Modell für Unternehmen entwickelt, welche sich verpflichten, ihren Energieverbrauch in ihrem Betrieb zugunsten einer Veranstaltung zu reduzieren.

Das «Swiss Green Economy Symposium 2015», das letzte Woche stattfand, wurde erstmals energieneutral durchgeführt – wohl die erste energieneutrale Veranstaltung überhaupt.

Zusammen mit der Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) und anderen Partnern hat ewz einen neuen Markt – den Effizienzmarkt – entwickelt. Unternehmen mit einer Zielvereinbarung können ihre «Übererfüllungen» als Energiepartner an eine Veranstaltung abtreten. Wir ermöglichen Partnerschaften und bringen die Veranstaltung sowie das Unternehmen zusammen und unterstützen die beiden in der Kommunikation. Der oder die VeranstalterIn setzt Energieeinsparungen um und kompensiert den verbleibenden Energiebedarf mit den «Übererfüllungen» seiner Energiepartner. Der Energiepartner des «Swiss Green Economy Symposium 2015» war die Werbeagentur «Havas Worldwide».

Quelle: SGES

Quelle: SGES

Zielvereinbarungen für Unternehmen.

Eine Zielvereinbarung ist ein Vertrag zwischen Unternehmen und dem Bund oder einer kantonalen Behörde. Das Unternehmen verpflichtet sich in diesem Vertrag, sein wirtschaftliches Energie-Einsparpotenzial innerhalb der Vertragslaufzeit auszuschöpfen. Im Vertrag wird ein Zielpfad festgelegt. Rund 3000 Unternehmen verfügen heute über eine solche Zielvereinbarung, Tendenz steigend. Im jährlichen Reporting werden die Einsparungen mit dem Ziel verglichen.

So funktioniert der Effizienzmarkt.

Die Abläufe sind transparent und basieren auf dem bestehenden Instrument der Zielvereinbarung. Die im Reporting ermittelten und von der EnAW bescheinigten «Übererfüllungen» können die Unternehmen verkaufen, sie werden damit Energiepartner. ewz übernimmt die Übererfüllungen und lässt sie zertifizieren. Die Effizienzzertifikate mit dem Label «naturemade efficiency» können von Veranstaltern übernommen werden, um ihre Anlässe energieneutral durchzuführen.

In Kürze stellen wir an dieser Stelle eine weitere Veranstaltung detaillierter vor.

Mit Stromunterbrüchen leben in Kairo.

, von Ein Kommentar

Ununterbrochen Strom zu haben ist für uns in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. In anderen Ländern sind Stromunterbrüche jedoch an der Tagesordnung. Unser Gastautor berichtet aus Ägypten.

Ägypten Stromunterbrüche

Auch Tauben lieben Strom(kabel), Kairo Downtown.

Elektrizität sehe ich mit anderen Augen, seit ich vor anderthalb Jahren in Kairo eine Wohnung genommen habe. Oft bricht die Versorgung fast täglich ab und es kann eine oder zwei Stunden dauern, bis wir wieder am Netz sind. Meine ägyptischen Freunde erzählten zeitweise gar von vier bis sechs Stromausfällen pro Tag. Wahrscheinlich profitiere ich davon, dass die Netzbetreiber Kairo Downtown bevorzugt behandeln – wegen des riesigen Verwaltungsgebäudes Mugamma und wegen der Banken, die hier angesiedelt sind, so höre ich.

Jedenfalls ist die Verfügbarkeit von Strom bei bis zu 43 Grad so wichtig wie bei minus 10 Grad in einem Chalet in den Schweizer Bergen. Kommt hinzu, dass arbeiten ohne Energienachschub keinen Spass macht. Zwar hat der Laptop ein paar Stunden Batterie, aber das Internet ist weg. Ich empfange und sende keine Mails und verschiebe die Onlinerecherche auf später. In der Nacht fehlt auch das Licht.

 

 

Aufzugfahren als Nervenspiel

Ich arbeite von Kairo aus für Schweizer Kunden. Wenn ich im Job einen engen Liefertermin habe, halte ich beim Tippen fast den Atem an. Hoffentlich schaffe ich es, bevor die Elektrizität plötzlich weg ist und nebenan das laute Grundrauschen der Klimaanlagen auf den Dächern der Bürogebäude verstummt. Dann werden nach ein paar Sekunden die Notstromaggregate hochgefahren, die Lichter gehen an und die Klimaanlagen lärmen wieder. Das aber nur nebenan, leider nicht in meinem Haus.

Den Aufzug zu nehmen ist wie Poker, ein Nervenspiel. Wer Glück hat, kommt durch. Wer Pech hat, bleibt stecken. Falls das Mobiltelefon noch Batterie hat und der Liftschacht Empfang zulässt, kann man wenigstens mit seinen Liebsten telefonieren, bis wieder Power in die Leitungen fliesst und die Reise weiter geht. Bei mir zuhause entfällt das Pokern allerdings, denn in meinem Gebäude ist der Lift – ein Schweizer Fabrikat aus den Vierziger Jahren – schon vor ein paar Jahren ausgestiegen.